Funk oder Funk, das ist hier die Frage ..

Jeder der mit einem oder mehreren Aufsteckblitzen arbeitet, wird sich früher oder später die Frage stellen wie er mit diesen zuverlässig entfesselt blitzen kann. Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten einen Systemblitz “off-camera” auszulösen.

E-TTL Kabel von Canon

Da wäre z.B. das gute alte Synchronkabel. Gibts von Hama in jedem grossen MediaMarkt und drückt auch nicht auf den Geldbeutel. Wer gerne E-TTL benutzen möchte, für den gibt es auch entsprechende E-TTL Kabel. Etwas teurer, dafür steht einem die volle Blitzautomatik zur Verfügung. Der gravierende Nachteil an Kabelsystemen ist jedoch, das Kabel selbst. Es ist Stolperfalle, begrenzt die Reichweite und limitiert die Anzahl Blitze die gleichzeitig ausgelöst werden können auf einen einzigen. Wer Lichtsetups mit mehr als einem Aufsteckblitz aufbauen möchte, benötigt jedoch ein System mit dem es möglich ist zwei und mehr Blitze auszulösen.

Kamerahersteller liefern dazu direkt auch eine Möglichkeit. Mittels optischer Signale können Kamera und Aufsteckblitze miteinander kommunizieren. Mit diesem System lassen sich nicht nur mehrere Blitze gleichzeitig auslösen, sondern es werden direkt auch E-TTL Signale übermittelt. Somit steht einem die Möglichkeit offen per Blitzautomatik oder manuell zu arbeiten. So schön das ganze auch tönt, auch hier gibt es einen Nachteil, der in der Praxis überaus unberechenbar ist. Kamera und Aufsteckblitze brauchen direkten Sichtkontakt, damit die Signalübertragung  auch zuverlässig funktioniert. An sonnigen Tagen kann das System selbst bei Sichtkontakt versagen.

Um einen oder mehrere Systemblitze zuverlässig “off-camera” auslösen zu können, benötigen wir also ein System das keine Kabel hat und ohne Sichtkontakt auskommt. Und wie der Titel schon sagt, das Zauberwort heisst Funk. Mittels Funk-Trigger ist es möglich über grosse Distanzen (200m und mehr), sowie um Ecken und hinter verschlossenen Türen unsere Aufsteckblitze zuverlässig auszulösen. An dieser Stelle möchte ich euch gerne drei Funksystem vorstellen mit denen ich gearbeitet habe, respektive aktuell mit ihnen Arbeite.

Pocket Wizard (MiniTT1 & FlexTT5)

FlexTT5 Trigger

Den Anfang mach ich doch gleich mit dem teuerstem System das ich vorstellen möchte. Die Firma Pocket Wizard gehört zu den Markführern, wenn es darum geht alles mögliche per Funk auszulösen. Sei es Studioblitze, Systemblitze oder Kameras. Ihre Trigger gehören zum Profiwerkzeug, sind 120% zuverlässig und extrem robust auch im harten Fotografen Alltag. Bisher hatte dieses System jedoch einen gravierenden Nachteil, es konnte lediglich Auslösen. Eine Übertragung der E-TTL Blitzautomatik war nicht möglich. Somit musste man als Fotograf zwangsläufig die Blitzleistung der Aufsteckblitze manuell einstellen. Das neue Flagschiff die TT1 und TT5 Trigger, bieten als erstes System auf dem Markt, seit Frühjahr 2009, volle E-TTL Funktionalität via Funk. Dies beinhaltet Master/Slave blitzen mit Slavegruppen und Ratios, sowie weitere Funktionen wie automatisches umschalten auf Hispeed Synchronisation oder Blitzen auf den 2. Verschlussovorhang, wenn man eine vorgegebene Belichtungszeit unterschreitet. Dieses System ist also das non-plus-ultra was man sich überhaupt zulegen kann. All diese tollen Funktionen haben jedoch auch ihren Preis. Ein Set aus Sender und Empfänger kostet in der Schweiz rund 500 CHF.. Ich nutze die Pocket Wizard Trigger seit September und bin sehr zufrieden. Robust, viele Funktionen (die man via Software und USB konfigurieren kann/muss) und für meinen Alltag ein gutes Werkzeug. Ich werde in einem der nächsten Blogbeiträge genauer auf die diversen Funktionen dieser Funktrigger eingehen. Was jedoch jetzt noch erwähnt werden sollte, die E-TTL Funktionalität ist Systemabhängig. Im Moment gibt es ausschliesslich Trigger für Canon Kameras. Nikon’s CLS System wird wohl ab Frühjahr 2010 unterstützt.

Elinchrom Skyport

Das zweite System das ich kurz beschreiben möchte, stammt von der Firma Elinchrom. Eigentlich ein Hersteller von Studioblitztechnik und genau für diese wurde das Skyport System entwickelt. Eine feine Sache, da man via der Funktrigger Leistung und Einstelllicht der Blitzköpfe steuern kann. Mittels entsprechender Kabel, können die Trigger aber auch an Systemblitze angeschlossen werden und diese Auslösen. Das Skyport System funktioniert dabei sehr zuverlässig auch über grosse Distanzen und ist in der Lage bis zu einer Verschlusszeit von 1/1000s Kamera und Blitz zu synchronisieren (solange dies von der Kamera her im Synchronzeit-Bereich liegt). Die Steuerung der Systemblitze (Leistung) muss jedoch manuell vorgenommen werden. E-TTL Blitzen wird mit diesem System nicht unterstützt. Im Alltag hat dieses System nur einen einzigen Haken. Der Empfänger wird mit einem fest verbautem Lithiumakku betrieben. Einmal geladen, kann man viele viele Stunden damit arbeiten. Vergisst man ihn jedoch dann aufzuladen, hat man an der Fotolocation keine Möglichkeit Akkus oder Batterien zu wechseln. Preislich liegt ein Set aus Sender und Empfänger inkl. Anschlusskabel an einen Aufsteckblitz bei ca. 240 CHF. Ich nutze das Skyport System derzeit in Kombination mit dem Elinchrom Ranger Quadra, einer mobilen Akkublitzanlage, welche den Empfänger direkt im Generator eingebaut hat.

Yongnuo Funktrigger

Yongnuo RF602 Set

Eine interessante Entdeckung hab ich vor ein paar Wochen gemacht. Die chinesische Firma Yongnuo bietet ein überaus einfaches und günstiges System an Funktriggern für Systemblitze an. Das RF-602 Funkset beinhaltet einen Sender & Empfänger sowie entsprechende Kabel um mit den Triggern Studioblitze oder eine Kamera auslösen zu können. Kosten tut der Spass rund 30€ für ein Set aus Sender und Empfänger. Für den Preis dachte ich mir, kauf doch einfach mal ein paar von den Teilen und schau sie dir an. Kurz nach Weihnachten kam dann auch schon das Päckchen mit einem Sender und 3 Empfängern. Auch dieses System verfügt über keine E-TTL Unterstützung, dafür werden die Blitze via Blitzschuh bequem auf den Empfänger aufgesteckt. Sender und Empfänger arbeiten mit CR2 respektive AAA Batterien und sind via Kabelanschlüsse auch in der Lage Studioblitze oder wie bereits gesagt auch eine Kamera auszulösen. Die Verarbeitung erscheint dabei für ein asiatisches Billigprodukt ziemlich robust. Laut Hersteller sollen die Teile bis 1/250s zuverlässig synchronisieren können. Ein erster Test mit unseren Elinchrom Studioblitzen hat bis 1/200s problemlos funktioniert. Im Vergleich zu den Triggern von Pocket Wizard muss man definitiv einige Einschränkungen machen (kein E-TTL, “nur” 100m Reichweite, Blitzschuh ohne Arretierungsschraube, Blitze können nicht aus Standby geweckt werden, Einschaltknopf wird durch aufgesteckten Blitz verdeckt), aber eins tun sie auf jeden Fall, zuverlässig Auslösen. Im Studio hatte ich keine einzige Fehlzündung und das für gerade mal 1/10 des Preises der Pocket Wizard Trigger. Mein erstes Fazit, ein tolles und vorallem extrem günstiges System, dass sich jeder der entfesselt blitzen möchte, unbedingt genauer anschauen sollte!

Bestellen kann man die Trigger via folgendem Shop in Deutschland http://www.8df.de/fotozubehoer/index.php

Abschliessend möchte ich euch noch einen kleinen Blick in mein “Funk-Köfferchen” gewähren. Da die guten Pocket Wizards ihren Preis haben, werden sie auch entsprechend transportiert. ;) Die Yongnuo Trigger reisen dagegen direkt im Fotorucksack mit..

Making of – Sedcard Shooting mit Model Luise

Nachdem die letzten Tage (ja schon fast Wochen) extrem stressig waren, kommt hier nun endlich wieder ein neuer Beitrag. Das Video ist schon etwas älter und einige werden es eventuell schon gesehen haben. Trotzdem möchte ich es gerne hier auch noch im Blog zeigen. Viel zu sagen zum Video gibts nicht. Alle Setups sind mit einem 580er Speedlight und silbernem Reflexschirm fotografiert. Ausgelöst wurde mit einem Elinchrom Skyport Funktrigger. Viel Spass :)

Entfesselt blitzen an Konzerten

Wer regelmässig an Konzerten unterwegs ist, kennt das Problem. Der Helligkeitsunterschied zwischen Front- und Hintergrundlicht beträgt schnell einmal mehrere Blende. Versucht man nun die Gesichter gescheit zu belichten, frisst einem der Hintergrund aus, belichtet man auf das Hintergrundlicht bleiben die Gesichter oftmals unerkennbar dunkel. Es fehlt also schlichtweg ein gescheites Hauptlicht von vorne, welches im besten Fall farbneutral ausfällt..  ergo, Blitz auf die Kamera?? Neeee lieber nicht, das sieht dann grässlich geblitzt aus und die ursprüngliche Lichtstimmung geht grösstenteils verloren..

So nun schaut euch mal dieses Bild hier an, wer kann mir sagen was für Lichtverhältnisse hier geherrscht haben??

Beauty of Gemina - Kiff Aarau

Wie man unschwer erkennen kann gabs etwas Nebel für die Lichteffekte im Hintergrund, blaues und grünes Licht von hinten, welches punkto Helligkeit gut ausbalanciert war mit dem weissen Licht von vorne. Also ein gutes Konzertfotos mit schönem Bühnenlicht.. aber halt, hier gehts ja um das böse Blitzen an Konzerten!! Schaut euch das Bild mal etwas genauer an und achtet auf den kleinen Schatten an der linken Hand. Ein typischer Schatten der entsteht, wenn z.B. ein grosser Verfolger auf einen Musiker gerichtet ist, der hinter seinem Mikrofonständer steht. Das Blöde ist nur, in der Location wo dieses Bild entstand gibt es keine Verfolger! Wie kommt also der Schatten dort hin??

Ganz einfach, dieser stammt vom Speedlight das ich verwendet habe. Ihr habt richtig gelesen, ich hab geblitzt! Der Trick dabei ist, das Blitzlicht darf nicht aus der Kamerarichtung kommen!! Frontal zur Bühne aufgestellt, sieht es so aus als wenn ein grosser Verfolger den Musiker angeleuchtet hätte. Das Setup hierzu ist denkbar einfach und wie ihr sehen könnt, richtig eingesetzt, für den Betrachter nicht sichtbar!

lighting-diagram-konzert Das Speedlight wurde auf einem Gorillapod Stativ erhöht, hinter dem  Mischpult aufgestellt. Der Abstand zur Bühne betrug ca. 15m, Blitzreflektor auf war auf 105mm eingestellt. Die Leitzahl des 580er Speedlights von Canon beträgt 58 bei 105mm Reflektorstellung. Nun fix die Leitzahlformel zur Hand genommen, bei Blende 2.8, 15m Abstand und ISO800 ergibt das dann rund 1/16-1/16 +0.3  Blitzleistung um eine korrekte Belichtung zu erhalten. Wenn einem nun das eigene Frontlicht zu hell oder zu dunkel ist, einfach die Blitzleistung am Blitz anpassen. Da das Blitzlicht von der Verschlusszeit unabhängig ist, kann man nun das vorhandene Bühnenlicht via Belichtungszeit steuern, ohne das eigene Hauptlicht zu verändern. Natürlich nur innerhalb der Synchronzeit von der verwendeten Kamera.

Ausgelöst wird das ganz per Funk. Ich selber benutzte Pocket Wizard Trigger dafür. Elinchrom Skyports oder ähnliches geht natürlich auch. Die optische Steuerung von Canon respektive die von Nikon funktioniert aufgrund der Distanz und des fehlenden Sichtkontaktes nicht.

Einen Nachteil hat dieses Setup jedoch. Als normaler Pressefotograf darf man in der Regel nichtmal einen Blitz auf der Kamera benutzen, geschweige denn einen entfesselten Blitz hinter dem Mischpult aufstellen. Wer jedoch als Hausfotograf direkt für einen Club fotografiert oder im Auftrag einer Band unterwegs ist, dem sollte es möglich sein so ein Setup aufzubauen. Einfach mal nett fragen..