[Setup] Einfaches Beauty Setup

Letztens im Studio wurde ich gefragt, warum ich einen Blitz so nah vor die Wand steht und warum ich mein Lichtsetup so aufbaue, wie es gerade dort stand… Das hab ich mir zum Anlass genommen das dort aufgebaute Lichtsetup etwas ausführlicher zu beschreiben und einige Beispielbilder dazu zu zeigen. Hier erstmal das Ergebnis.

Das fertige Bild dazu ist an dem Workshopwochenende zusammen mit Cornelius Fischer in der Schweiz entstanden. Model war Mel und geschminkt wurde das ganze von Sara Woodtli. Aber das nur am Rande.

Was haben wir hier gemacht…

Nun wir haben eine große Hensel Octabox seitlich neben das Model gestellt. So groß, dass die Seite aber auch noch das Gesicht von vorne schön weich ausgeleuchtet wurde. Damit die andere Gesichtshälfte hierbei nicht zu dunkel wird, haben wir das ganze von der linken Seite mit einem großen Reflektor aufgehellt… Also eigentlich ein ganz einfaches Lichtsetup. Zusätzlich wollen wir noch den Hintergrund vignettieren. Nicht in Photoshop, sondern direkt bei der Aufnahme. Dazu haben wir einen Hensel Blitz auf einem Bodenstativ direkt hinter das Model gestellt und mit einer Wabe versehen, damit der Spot nicht zu groß wird. Durch den Abstand zwischen Blitz und Wand kann ich nun den Spot und die Vignette steuern. Je näher an die Wand, desto kleiner der Spot, je weiter weg desto größer der Spot und umso kleiner die Vignette. Dadurch kann ich die Vignettierung in dem Bild sehr fein steuern.
Zustäzlich kann ich aber auch mit dem Aufheller der auf der linken Seite steht die Ausleuchtung des Gesichts sehr feinfühlig steuern. Wenn ich den Aufheller ganz weglasse, habe ich schöne konturierte Schatten im Gesicht und mit dem Aufheller kann ich diese fast ganz aufhellen. Dadurch ist es mir möglich mit wenig Aufwand die Lichtsetzung im Gesicht sehr zu variieren. Dazu hab ich mal 2 Beispielbilder eingestellt. Einmal mit Aufheller (Rechts) und einmal ohne Aufheller (Links).


Einzigster Haken an diesem Lichtsetup…. ich muss sehr genau darauf achten, wie ich mit der Kamera zu meinem Model stehe. Ich muß genau in einer Achse mit dem Model und meinem Hintergrund Blitz stehen. Kleine Abweichungen dazu bewirken, das der Spot und die Vignette nach Links oder Rechts verschoben wird. Ansonsten habe ich damit ein sehr einfaches aber effektives und schönes Lichtsetup, was ohne großen Aufwand aufgebaut ist.

Zum Schluss nochmal alle Bilder dazu und noch ein weiteres Beispielbild.

In dem Zusammenhang möchte ich auch nochmal an unsere Workshops im Februar erinnern: Klick

[Setup] Golden Glamour Beauty

Leider war es mal wieder länger ruhig auf dem Blog (die Zeit rennt).. doch nun möchte ich endlich mal wieder ein neues Setup präsentieren. Passend zum goldenen Herbst.

Golden ist denn auch schon das Sprichwort. An einer der letzten Kreativsessions mit unserem Studioteam, war Gold das Thema für Stylings und Fotos. Unsere Visagistinnen Sara und Mirjam haben sich dabei ordentlich ins Zeugs gelegt und zwei Models wunderschön gestylt und dabei vor allem auf Goldpigmente zurückgegriffen.

Ich selber hab mir eine Weile den Kopf zerbrochen wie ich das Thema Gold, fotografisch mit einbinden soll. Ein goldig warmer Hintergrund, am besten mit Reflexen und Struktur musste her. Dabei nicht zu teuer und einfach im Studio aufzubauen.

Des Rätsels Lösung waren Rettungsdecken, wie man sie aus dem Erste Hilfe Koffer kennt. Eine Seite silbrig und die andere goldig. Also gings ab in Baumarkt und für ein paar wenige Franken mit zwei Rettungsdecken wieder retour ins Studio. Die Montage erwies sich denkbar einfach. Die Decken nach dem Auspacken ordentlich zerknüllen (damit viele Falten und Knitter entstehen) und dann mit Malerklebeband an die Wand kleben.

So damit war der Hintergrund für die Fotos schon mal gesetzt. Jetzt ging es nur noch darum eine passende Beleuchtung zu finden. Final sollten ja glamouröse Beautyportraits den Weg in die Kamera finden. Also habe ich mich für eine sehr weiche Ausleuchtung entschieden, die dennoch eine leichte ganz leichte Dominanz auf der Kameraachse nach Unten erzielt. Dafür habe ich eine 140er Octabox auf einem Galgen, sowie zwei grosse Sunbounce Pro Reflektoren mit silberner Bespannung benutzt. Weiter wollte ich den Hintergrund schimmern lassen, so ähnlich wie eine Wasseroberfläche auf welche die Abendsonne scheint. Also habe ich eine harte Lichtquelle benutzt, direkt auf die zerknitterten Rettungsdecken gerichtet, um diese anzustrahlen. In Kombination mit einer offenen Blende ergab das schon mal ein ansehnliches Ergebnis.

Ganz zufrieden war ich an dieser Stelle jedoch auch noch nicht. Zum einen war mir der Hintergrund noch etwas zu dominant und der letzte Kick Glamour fehlte mir an dem Foto. Um den Bildern noch etwas knackigeres zu geben, kamen noch zwei Streiflichter dazu, welche Gesicht und die Schulterpartien mehr hervorheben.

Den Hintergrund softer und weniger dominant zu gestalten war dann auch kein schwieriges Unterfangen mehr. Etwas dezent eingesetzter Kunstnebel, der gezielt zwischen Model und Hintergrund geblasen wurde, gab dem Hintergrund die gewünschte weiche Note. So sah der Hintergrund wirklich aus wie eine spiegelnde Wasseroberfläche im Sonnenuntergang. Und schlussendlich standen dann doch so einige Stative im Studio..

Fotografiert habe ich am Schluss mit einer 85mm Festbrennweite und einer 4er Blende. Das hat sich als beste Balance zwischen genügend Schärfentiefe auf den Gesichtern und möglichst weichem und blumigen Hintergrund ergeben.

Und hier das finale Foto von der Session.

Blitzbelichtungsmessung – Die Krux mit den 18%

Es ist ein lediges Thema, das jedoch immer wieder auftaucht. Wie messe ich mein Blitzlicht!? Sei es im Studio oder Outdoor..

Jeder der schon mit Blitzen gearbeitet hat, weiss das man mit der Kamera Blitzlicht nicht messen kann. Dies liegt daran, dass ein normaler Blitz in dem Moment auslöst, wenn wir das Foto machen. Ausgenommen natürlich Aufsteckblitze, diese verfügen über einen Vorblitz respektive Messblitz, der im E-TTL Modus verwendet wird um eine Blitzbelichtungsmessung mit der Kamera durchzuführen. Die logische Konsequenz heisst also Blitzbelichtungsmesser. Hiermit löst man die Blitzlichtmessung von der Kamera und misst mittels eines Handgerätes das Blitzlicht (oder auch Tageslicht/Dauerlicht).

„Blitz“-Belichtungsmesser verfügen über eine hohe Präzision und natürlich über diverse Zusatzfunktionen die einem im Fotografenalltag sehr nützlich sein können. So zum Beispiel Dauerlichtmessung, Belichtungskorrekturen, Gangzahl für Video, Farbtemperatur (nur bei teuren Profimodellen). Damit wir jedoch mit einem Handbelichtungsmesser arbeiten können, müssen wir erst mal klären, wie die Belichtung überhaupt gemessen wird.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Messarten zur Belichtungsmessung. Einmal die Objektmessung (diese wird vom kamerainternen Belichtungsmesser verwendet), sowie die Lichtmessung. Fangen wir bei der Objektmessung an.

Objektmessung

Bei der Objektmessung wir vom Kamerastandpunkt aus gemessen, wie viel Licht vom Motiv zur Kamera hin reflektiert wird. Dabei wird davon ausgegangen das ein durchschnittliches Motiv 18% des einfallenden Lichts reflektiert. Möchte ich jetzt aber ein Motiv fotografieren das viel mehr Licht reflektiert, z.B. ein Model vor einer weissen Wand, geht meine (oder auch mein Belichtungsmesser den ich vom Kamerastandpunkt aus Richtung Model halte), immer noch davon aus dass das Motiv 18% des einfallenden Lichtes zurückwirft. Das Ergebnis ist also ein Bild das deutlich unterbelichtet ist.

Als Hilfsmittel für solche Motive wurden deshalb sog. Graukarten entwickelt. Diese sind Farbneutral und reflektieren exakt 18% des einfallenden Lichtes. Halte ich so eine Karte also ins Licht, ziele mit dem Sucher meiner DSLR auf die Karte und mache eine Belichtungsmessung, erhalte ich Belichtungswerte für eine korrekte Belichtung. Das funktioniert aber nur so lange wie man mit Dauerlicht arbeitet. Verwende ich Blitzlicht, kann die kamerainterne Belichtungsmessung auch mittels Graukarte nicht verwendet werden.

Der Vorteil der Objektmessung liegt klar bei der Geschwindigkeit. Man misst vom Kamerastandort ohne sich zum Motiv bewegen zu müssen. Hat jedoch den Nachteil dass man falsche Messergebnisse erhält, wenn ein Motiv nicht die durchschnittlichen 18% Licht reflektiert. Ist die Reflektion höher, ergibt sich eine Unterbelichtung (z.B. weisse Wand), ist die Reflektion niedriger ergibt sich eine Überbelichtung (z.B. schwarze Wand).

 

Lichtmessung

Kommen wir nun zur Lichtmessung. Diese funktioniert fundamental anders. Hier wird nicht das reflektierte Licht gemessen, sondern das Licht das auf unser Motiv einfällt. Man hält also den Belichtungsmesser vom Motiv aus in Richtung Lichtquelle und führt eine Messung durch. Durch diese Änderung im Messaufbau negieren wir den Messfehler, der bei Motiven entsteht die eine andere Reflektion aufweisen als die geeichten 18%. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit verschiedene Bereiche des Motivs auszumessen um so bereits vor dem ersten Foto eine Idee zu bekommen, wie dunkel z.B. die Schattenwürfe sind.

Die Vorteil bei der Lichtmessung sind also:

  • Keine Messfehler durch unterschiedlich starke Lichtreflektion des Motivs
  • Präzisere Messergebnisse da man Messungen an verschiedenen Punkten des Motivs machen kann

Einziger Nachteil der Lichtmessung, man muss mit dem Belichtungsmesser zum Motiv gehen um die Messung direkt am Motiv durchzuführen. Dies benötigt schlicht mehr Zeit als eine vereinfachte Objektmessung.  In der Praxis heisst das also, wollt ihr saubere Messergebnisse für eurer Blitzlicht, nehmt einen Handbelichtungsmesser und führt eine Lichtmessung am Motiv durch.

Abschliessend möchte ich euch noch kurz einen einfachen Blitzbelichtungsmesser zeigen und kurz auf die Funktionen zu sprechen kommen.

Um die Handhabung von Belichtungsmessern zu vereinfachen, zeigen diese die Messwerte jeweils anhand einer Blendenreihe mit ganzen Blendenwerten an. Zwischenwerte werden mittels Zehntelstufen (kleinere Zahl nach der Blende im Display) angezeigt. Dies heisst ein Messresultat von f8.06 entspricht einem Blendenwert von ca. f10, innerhalb einer Drittelblendenskala. Dreizehntel entsprechen also in etwa einer Drittelblende.

Um dies nochmals zu verdeutlichen schaut euch diese Blendenskala an. In Grün die ganzen Blendenwerte und in rot die Drittelstufen dazwischen.

Zum Schluss nun aber noch das Wichtigste bei der Belichtungsmessung. Ein Handbelichtungsmesser gibt euch NUR die jeweils korrekte Belichtung für euer Motiv aus. Als Fotograf möchte man aber oft garnicht korrekt belichten. Also denkt daran, es ist ein Hilfsmittel um Belichtungswerte zu finden die korrekt sind, nicht aber eurem kreativem Spielraum als Fotograf entsprechen!

 

Make-up, der wahre Weichzeichner

Es mag etwas komisch erscheinen das ich als Fotograf einen Beitrag zum Thema Visagistik und Make-up verfasse. Jedoch möchte ich keine Technik beschreiben oder irgendwelche Tricks verraten, vielmehr möchte ich die praktischen Vorteile, die man als Fotograf von einem professionellem Make-up hat, zeigen.

Es ist ein Phänomen das man immer wieder sieht. Einsteiger in der People Fotografie bemühen Photoshop, genauer gesagt den Gaußchen Weichzeichner, um die Hautstruktur ihrer Models weicher zu machen. Oftmals, vor allem aus mangelnder Übung, wird aus einer gewollten Verbesserung eine ungewollte VerUNbesserung. Anstatt eine schöne weiche Hautstruktur hat man am Schluss ein künstliches Barbiegesicht ohne jegliche Hautstruktur, dem man bereits aus grossem Abstand ansieht das es weichgespült wurde. Denn eine Weichzeichnung der Haut, ohne deren Porenstruktur völlig zu zerstören, bedarf einiger Übung und Erfahrung im Umgang mit den diversen Weichzeichnungs- und Retuschefunktion von Photoshop.

Einen einfacheren und vor allem viel effizienteren Weg, bietet ein perfektes Make-up von einer professionellen Visagistin. Da mein Fachgebiet die Fotografie ist, kann ich euch jetzt nicht erklären wie genau dies alles funktioniert, aber ich kann euch ein vorher/nachher Bild zeigen, dass eindrücklich die verfeinerte Hautstruktur aufzeigt. Geschminkt wurde ein sogenanntes Nude Make-up. Also ein Make-up das natürlich und ungeschminkt aussehen soll.

Nude Make-up

Links seht ihr das Model völlig ungeschminkt. Zugegeben, die Hautstruktur ist bereits sehr gut. Trotzdem sieht man noch kleine Rötungen, Flecken, Muttermale und Tränensäckchen.

Rechts habt ihr das Nude Make-up. Die Hautstruktur ist ebenmässig, Rötungen, Glanzstellen und Muttermale sind weg. Ebenfalls fast nicht mehr sichtbar sind die Tränensäckchen. Gleichzeitig wurde das Gesicht sowie die Nase etwas modelliert. Alles in allem ein perfektes Ergebnis und ein frisch wirkendes Gesicht.

Ihr seht, bereits ein perfektes Make-up erleichtert euch als Fotograf die Arbeit immens. Anstatt das ihr bei jedem Foto eine umfangreiche Retusche machen müsst, bleiben nur noch ein paar ganz wenige Klicks übrig. Ebenfalls kann man den Weichzeichner nun getrost in seinem Menu lassen.

Es lohnt sich also bei einem der nächsten Shootings mal eine Visagistin zu engagieren die eurem Model ein gutes Make-up schminkt.

An dieser Stelle möchte ich euch aber noch einen weiteren kleinen Trick verraten, wie ihr als Fotografen die Hautstruktur eurer Models feiner und ebenmässiger erscheinen lassen könnt. Egal ob ihr mit Blitzlicht oder mit Dauerlicht (z.B. Tageslicht) fotografiert, messt euer Licht mit einem Belichtungsmesser ein und fotografiert anschliessend gut 3/10 bis 4/10 heller als euch der Belichtungsmesser für die Gesichtshaut angegeben hat. Durch diese leichte Überbelichtung kaschiert ihr wunderbar leichte Rötungen und Unreinheiten der Haut, ohne dass diese dabei in den Spitzlichtern ausfrist. Ebenfalls solltet ihr zu hartes Licht vermeiden. Dieses hebt euch Unreinheiten und Poren in der Haut nur zusätzlich hervor.

In dem Sinne, versucht mal auf den guten alten Gaußchen Weichzeichner zu verzichten. Ein gutes Make-up und entsprechende Belichtung führen in der Regel zu einem besseren Ergebnis und sparen euch viel viel Arbeit!

Beauty Portrait

Kreativer Einsatz von Korrekturfolien für Blitzlicht

 

Ich hatte es im letzten Beitrag bereits einmal kurz angetönt. Mittels so genannter Korrekturfolien kann man die Farbtemperatur von Blitzlicht beeinflussen und dadurch gerade bei der Outdoor Fotografie sehr kreativ, bereits bei der Entstehung eines Fotos, die Lichtstimmung verändern. Wie das aussieht möchte ich jetzt als erstes einmal zeigen..

Also was wurde oben gemacht?? Zunächst einmal wichtig, die Ausleuchtung des Models erfolgt hier primär über das Blitzlicht. Auf dem linken Bild wurde das Blitzlicht nicht verändert und der Weissabgleich auf die Farbtemperatur von 5000K eingestellt. Das Resultat ist ein Hintergrund wie man ihn kennt kurz nach Sonnenuntergang. Gelblich, warme Farbtöne. Für das rechte Bild habe ich eine Lee204 Folie (oder auch full CTO genannt) vor den Blitz montiert. Dieser Filter senkt nun die Farbtemperatur des Blitzlichtes auf ca. 3200K. Damit das Model nun mit korrekten Farben abgebildet wird, muss der Weissabgleich entsprechend auf 3200K verstellt werden. Und siehe da, der Hintergrund wird blau.. aber wieso?

Schauen wir uns mal folgende Grafik an:

Durch das verschieben des Weissabgleiches auf 3200K, senken wir ebenfalls die Farbtemperatur des Hintergrundes. Dies führt dazu dass das warme Abendlicht (ca.4500-5000K)  im Hintergrund nun oberhalb (rechts) von unserem gesetzten Weisspunkt liegt. In der Grafik erkennt man sehr schön, dass Licht mit einer Temperatur von 4500-5000K nun im blauen Bereich liegt. Also entsprechend auch bläulich im Foto erscheint.

Diesen Effekt kann man nun kreativ (wie oben) nutzen, oder aber auch in Situationen wo die natürliche Lichttemperatur nicht zum Motiv passt. Im Bild unten, habe ich das Gegenteil zum obigen Bild gemacht. Das Foto wurde während der blauen Stunde an einem bewölkten Tag aufgenommen. Die Farbtemperatur des Tageslichtes Betrug also rund 9000-15’000K.  Durch eine full CTB (blau) Folie auf dem Blitz, konnte ich diesen dem Hintergrundlicht anpassen und somit den Weissabgleich entsprechend nach oben schieben.

Hätte ich das Blitzlicht in diesem zweiten Beispiel nicht an das Tageslicht angepasst, hätten wir ein deutlich sichtbares Problem. Entweder hätten wir den Weissabgleich auf das (nicht korrigierte) Blitzlicht gesetzt und der Hintergrund wäre sehr kalt geworden, oder wir hätten den Weissabgleich auf den Hintergrund gesetzt und das Model wäre viel zu warm in der Ausleuchtung.

Ihr seht, Korrekturfolien (CTO und CTB) lassen sich einmal zur reinen Korrektur, aber eben auch kreativ einsetzen. Wobei der kreative Einsatz natürlich deutlich mehr Spass bereitet. ;) Daher gibts jetzt abschliessend noch ein paar Fotos mit kreativem Einsatz der CTO Folie.

People Fotografie – Outdoor & on Location

Der Frühling ist da. Die Temperaturen steigen, die Natur erstrahlt in saftigem Grün und als Fotograf zieht es einen wieder aus dem Studio. Draussen fotografiert es sich doch immer noch am besten. Sicher?

Wer viel im Studio fotografiert, geniesst dort auch die vollen Vorzüge Herr des Lichtes zu sein. Es gibt keine störenden Faktoren wie Tageslicht, Wolken die Lichtverhältnisse innert kürzester Zeit ändern und es gibt nur schönes Wetter. ;) Outdoor geniesst man zwar die Qual der Wahl von der Location, muss aber auch das bereits vorhandene Licht einkalkulieren. Sonnenlicht ist brutal hart und direkt und nur selten wirklich schön. Im Schatten kämpft man damit, dass der Hintergrund im Sonnenlicht entweder zu hell wird, oder das Model zu dunkel. Ohne Hilfsmittel gehts Outdoor also auch nicht immer. Dabei gibts diverse Möglichkeiten wie man als Fotograf auch on Location das vorhandene Licht manipulieren oder ergänzen kann. Mittels Reflektoren kann vorhandenes Licht genutzt werden um punktuell aufzuhellen oder zweckentfremdet kann man sie auch zum abschatten benutzen. Ebenfalls eine Möglichkeit ist Blitzlicht. Mittels Aufsteckblitzen oder einer mobilen Studioanlage kann man aufhellen oder sogar das vorhandene Tageslicht “überblitzen” und so eine ganz eigene Lichtstimmung erzeugen.

Eins haben jedoch alle Methoden gemeinsam, Ziel ist es immer eine ausgewogene Lichtstimmung zu erzeugen. An dieser Stelle möchte ich gerne drei Beispiele geben wie dies Outdoor gelingt.

Aufhellen mittels Blitzlicht – der Klassiker

Ein Problem an sonnigen Tagen ist der enorme Kontrastumfang zwischen direktem Sonnenlicht und Schatten. Ein einfacher Weg mehr Kontrolle über das Licht zu erhalten, ist das Model im Schatten eines Baumes oder eines Gebäudes zu fotografieren. Ist dabei jedoch der Hintergrund im Sonnenlicht entsteht das Problem das man entweder das Model korrekt belichtet oder den Hintergrund.

Im linken Beispiel seht ihr, was passiert wenn man die Belichtung so wählt, dass der Hintergrund nicht völlig überbelichtet rauskommt. Auf dem rechten Bild habe ich mittels eines Blitzes das im Schatten sitzende Model aufgehellt. Der Clou daran ist, die richtige Balance zwischen Hintergrund und Blitzlicht zu finden. Gerade wenn ihr unter einem Baum arbeitet, habt ihr oft ein schönes Lichtspiel von Sonnenstrahlen die es durch das Blätterwerk schaffen. Dieses gilt es ebenfalls nicht völlig zu überblitzen. Im rechten Bild könnt ihr diese kleinen Sonnen”spots” immer noch schön erkennen.

Im obigen Beispiel habe ich einen Aufsteckblitz mit einer Lasolite Ezybox (38x38cm) verwendet. Diese stand links von mir auf einem Stativ. Der Blitz wurde mittels Pocket Wizard Triggern ausgelöst. Vorteil der PW’s ist die volle E-TTL Unterstützung von Canon Kameras. Ich musste den Blitz also nicht einmessen, sondern konnte einfach drauf los fotografieren. Die E-TTL Blitzautomatik hat die korrekte Blitzlichtmenge zum Aufhellen des Models für mich ermittelt. Alternativ zu den teuren PW’s kann man auch einfach ein billiges E-TTL Kabel verwenden, auf die optischen Übertragung der Kamerahersteller zurückgreifen (im Schatten funktionieren diese recht gut) oder klassisch voll manuell arbeiten.

Vorhandenes Licht überblitzen

Je nach Wahl der Location kann man mit dem mitgebrachten Blitzlicht auch das vorhandene Tageslicht überblitzen und so eine neue Lichtstimmung erzeugen. Dies eignet sich vorallem dann, wenn die Location komplett im Schatten liegt. Im Beispiel hier, habe ich einen Treppenaufgang gewählt der von einem Gebäude völlig überdacht wurde.

Ohne das Blitzlicht hätte eine relativ langweilige Stimmung geherrscht. Alles wäre gleich hell gewesen.. Durch das Blitzlicht ist nun eine Art “Spot” auf dem Model entstanden und hat dieses schön vom Hintergrund abgesetzt. Die Wahl der Location fiel dabei nicht völlig ungeplant. Das violette Kleid harmoniert farblich sehr gut mit dem gräulich/bläulichen Steinhintergrund. Um die Hintergrundstimmung noch weiter bläulich erscheinen zu lassen, habe ich das Blitzlicht mittels einer 1/4 CTO (color temperature orange) Folie eingefärbt. Den Weissabgleich hab ich anschliessend auf das nun deutlich wärmere Blitzlicht gesetzt. Dadurch verschiebt sich das Tageslicht im Hintergrund ins bläuliche.

Zum Einsatz kam ebenfalls wieder ein Canon Speedlight sowie die Lasolite Ezybox.

Richtige Location – Available ohne alles

Nicht immer ist es jedoch nötig, das man als Fotograf auf Hilfsmittel zurückgreift. Mit dem richtigen Blick finden sich auch Locations die ohne jegliches zutun bereits schönes Licht aufweisen. Im unteren Beispiel habe ich mir die vorhandene Lichtreflektion zunutze gemacht. Als Hintergrund diente ein Metallaufbau der das Model gegenüber der Sonne komplett abgeschattet hat. Direkt gegenüber befand sich ein zweiter Aufbau, der das Sonnenlicht wunderschöne reflektiert hat.

In diesem Beispiel musste ich nur den richtigen Standpunkt finden, von dem aus die streifenförmige Reflexion des Sonnenlichtes auf/neben dem Model  erschien. Ihr seht, manchmal braucht es keine Hilfsmittel sondern nur ein gutes Auge für das bereits vorhandene Licht.

Um es nochmals auf den Punkt zu bringen. Das wichtiges bei Outdoor Fotos ist immer die Harmonie aus vorhandenem Licht und dem was man als Fotograf ergänzend hinzugibt. Sei es durch Blitzlicht, durch Aufhellen mittels Reflektoren oder wie im letzten Beispiel oben, durch eine bereits vorhandene Reflexion! Vergesst auch niemals, ein Reflektor ist niemals heller als das Licht was er reflektiert. ;)


Wer sich nun bis hier durchgearbeitet hat, den möchte ich gerne auf meinen nächsten Workshop aufmerksam machen. Am 16. Mai veranstalte ich auf dem Gelände der ETH Zürich (Hönggerberg) einen Workshop zur Thematik der Outdoor Fotografie. Wir werden uns ausführlich damit beschäftigen wie man vorhandenes Licht manipuliert oder mittels Blitzlicht ergänzt um gut ausgeleuchtete Bilder zu erhalten. Auch die Wahl der richtigen Location wird ein Thema sein, denn nicht jeder Hintergrund passt zu jedem Outfit. Aktuell sind noch 4 Plätze frei, die Anmeldefrist läuft noch bis zum 9. Mai. Infos gibts oben im “Workshop” Menu.