Make-up, der wahre Weichzeichner

Es mag etwas komisch erscheinen das ich als Fotograf einen Beitrag zum Thema Visagistik und Make-up verfasse. Jedoch möchte ich keine Technik beschreiben oder irgendwelche Tricks verraten, vielmehr möchte ich die praktischen Vorteile, die man als Fotograf von einem professionellem Make-up hat, zeigen.

Es ist ein Phänomen das man immer wieder sieht. Einsteiger in der People Fotografie bemühen Photoshop, genauer gesagt den Gaußchen Weichzeichner, um die Hautstruktur ihrer Models weicher zu machen. Oftmals, vor allem aus mangelnder Übung, wird aus einer gewollten Verbesserung eine ungewollte VerUNbesserung. Anstatt eine schöne weiche Hautstruktur hat man am Schluss ein künstliches Barbiegesicht ohne jegliche Hautstruktur, dem man bereits aus grossem Abstand ansieht das es weichgespült wurde. Denn eine Weichzeichnung der Haut, ohne deren Porenstruktur völlig zu zerstören, bedarf einiger Übung und Erfahrung im Umgang mit den diversen Weichzeichnungs- und Retuschefunktion von Photoshop.

Einen einfacheren und vor allem viel effizienteren Weg, bietet ein perfektes Make-up von einer professionellen Visagistin. Da mein Fachgebiet die Fotografie ist, kann ich euch jetzt nicht erklären wie genau dies alles funktioniert, aber ich kann euch ein vorher/nachher Bild zeigen, dass eindrücklich die verfeinerte Hautstruktur aufzeigt. Geschminkt wurde ein sogenanntes Nude Make-up. Also ein Make-up das natürlich und ungeschminkt aussehen soll.

Nude Make-up

Links seht ihr das Model völlig ungeschminkt. Zugegeben, die Hautstruktur ist bereits sehr gut. Trotzdem sieht man noch kleine Rötungen, Flecken, Muttermale und Tränensäckchen.

Rechts habt ihr das Nude Make-up. Die Hautstruktur ist ebenmässig, Rötungen, Glanzstellen und Muttermale sind weg. Ebenfalls fast nicht mehr sichtbar sind die Tränensäckchen. Gleichzeitig wurde das Gesicht sowie die Nase etwas modelliert. Alles in allem ein perfektes Ergebnis und ein frisch wirkendes Gesicht.

Ihr seht, bereits ein perfektes Make-up erleichtert euch als Fotograf die Arbeit immens. Anstatt das ihr bei jedem Foto eine umfangreiche Retusche machen müsst, bleiben nur noch ein paar ganz wenige Klicks übrig. Ebenfalls kann man den Weichzeichner nun getrost in seinem Menu lassen.

Es lohnt sich also bei einem der nächsten Shootings mal eine Visagistin zu engagieren die eurem Model ein gutes Make-up schminkt.

An dieser Stelle möchte ich euch aber noch einen weiteren kleinen Trick verraten, wie ihr als Fotografen die Hautstruktur eurer Models feiner und ebenmässiger erscheinen lassen könnt. Egal ob ihr mit Blitzlicht oder mit Dauerlicht (z.B. Tageslicht) fotografiert, messt euer Licht mit einem Belichtungsmesser ein und fotografiert anschliessend gut 3/10 bis 4/10 heller als euch der Belichtungsmesser für die Gesichtshaut angegeben hat. Durch diese leichte Überbelichtung kaschiert ihr wunderbar leichte Rötungen und Unreinheiten der Haut, ohne dass diese dabei in den Spitzlichtern ausfrist. Ebenfalls solltet ihr zu hartes Licht vermeiden. Dieses hebt euch Unreinheiten und Poren in der Haut nur zusätzlich hervor.

In dem Sinne, versucht mal auf den guten alten Gaußchen Weichzeichner zu verzichten. Ein gutes Make-up und entsprechende Belichtung führen in der Regel zu einem besseren Ergebnis und sparen euch viel viel Arbeit!

Beauty Portrait

“One flash” Beauty Licht

Liebe Blogleser, nun ist es ja schon eine Weile her seitdem hier ein aktueller Beitrag gepostet wurde. Wer jetzt denkt, hinter den Kulissen sei es ruhig geworden hat sich aber getäuscht. Vielmehr hatten wir/ich in den letzten Wochen derart viel um die Ohren, dass wir/ich schlicht nicht dazu gekommen sind uns um neue Beiträge zu kümmern. Mehr dazu aber in den nächsten Tagen. Denn heute möchte ich euch ein weiteres Setup zeigen und erklären.

Auch wenn das Wetter gerade sehr schön draussen ist, so ist es doch noch etwas zu kalt für Outdoor Shootings. Daher gibt es jetzt wieder etwas fürs Studio. Folgendes Foto habe ich an einem meiner letzten Workshops fotografiert.

Ein sehr weiches und dennoch leicht zeichnendes Beauty Licht wurde für das Bild verwendet. Wie man an den Reflexen in den Augen gut erkennen kann, habe ich einen Blitz sowie einen Reflektor als Aufhellung verwendet. Alles in allem ein recht simples Lichtsetup, bei dem man dennoch einiges beachten muss.

Um die Zeichnung ins Bild zu bekommen, sollte man eine möglichst direkte und „harte“ Ausleuchtung verwenden. Ich habe als Hauptlicht ein 44er Softlight  in silber (Beauty Dish) von Elinchrom verwendet. Als Aufhellung kam ein silberner Reflektor zum Einsatz. Und hier gibt es nun einiges zu beachten. Ein silberner Reflektor hat eine sehr hohe Reflektionsleistung, im Gegensatz zu einem weissen (z.B. Styropor). Der Vorteil ist also, dass man den Schattenwurf des Hauptlichtes relativ stark aufhellen kann. Allerdings ist das reflektierte Licht durch die silberne Beschichtung auch sehr direkt und hart. Daher gilt, je grösser die Reflektionsfläche, desto weicher und dezenter wird die Aufhellung. Hier gilt also das gleiche Gesetz, dass die Härte von Blitzlicht bestimmt.

Je grösser die Lichtquelle im Verhältnis zum Motiv, umso weicher wird das Licht.

Das heisst also, das eine 100x100cm Box aus 1m Abstand sehr weiches Licht ergibt. Aus 10m Abstand ergibt die gleiche Box jedoch sehr hartes Licht, da die relative  Grösse zum Motiv nun deutlich geringer ist.

Was heisst das nun für unsere Aufhellung. Benutzen wir einen silbernen Reflektor (hart und direkt) und wollen eine weiche Aufhellung damit erzeugen, dann muss dieser im Verhältnis zum Motiv (Gesicht) also sehr gross sein. Damit ich nun nicht einfach jegliche Schatten weg reflektiert bekomme, muss der Reflektor etwas weiter weg vom Gesicht aufgestellt werden. Somit führt kein Weg an einer sehr grossen Reflektionsfläche vorbei. Im obigen Fall kam demnach ein Sunbounce Pro (130x190cm) zum Einsatz. Dieser war auf einem Stativ montiert und auf Bauchhöhe unter das Gesicht geschoben.

Kommen wir nun noch zum zweiten wichtigen Punkt bei diesem Foto. Und zwar der Hintergrund. Da bereits im Voraus entschieden wurde das Bild als s/w Version zu bearbeiten wollte ich direkt einen grauen Hintergrund erzeugen. Am einfachsten geht dies, gerade bei 1-Blitz Setups, mittels „Ausgrauen“ der weissen Wand hinter meinem Model.

Schauen wir uns mal die Regel zum Lichtabfall an.  Nehme wir an ein Blitz leuchtet auf 1m Abstand eine Fläche von 1x1m aus. Verdoppeln wir nun den Abstand auf 2m, nimmt die ausgeleuchtete Fläche im Quadrat zu. Von 1x1m als auf 2x2m. Somit reduziert sich die Lichtmenge/1m um den Faktor 4 (!!). Was heisst das nun für uns in der Praxis. Verdoppeln wir den Abstand Blitz/Motiv, reduzieren wir die Lichtmenge um 2 Blenden (!!). In unserem Beispiel oben machen wir uns genau dieser Regel zu Nutze. Zwischen Blitz und Motiv besteht ein Abstand von ca. 1.5m. Zwischen Blitz und Hintergrund jedoch ca. 4 Meter. Also etwas mehr als das doppelte. Das heisst also, der Helligkeitsunterschied zwischen Model und Hintergrund beträgt etwas mehr als 2 Blenden. Somit wird aus einer weissen Wand, schlicht eine graue Wand. Um das nochmals etwas zu verdeutlichen, hier nun noch die Lichtskizze zu dem Setup:

Fassen wir also nochmals zusammen:

  • Harte Grundausleuchtung (z.B. Beauty Dish oder Standartreflektor)
  • Aufhellung mittels eines grossen & silbernen Reflektors
  • Hintergrundhelligkeit lässt sich mittels Abstandverhätlnis Blitz/Motiv/Hintergrund steuern

Ihr seht, auch bei einem auf den ersten Blitz relativ simplen Setup, gibt es einiges zu beachten! Wie heisst es so schön, der Teufel liegt im Detail. In diesem Sinne, viel Spass beim Ausprobieren und allzeit gut Licht!

Der Fotograf & Psychologe

Ein gewagter Titel, nicht? Man kann sich an dieser Stelle fragen was Psychologie mit einem Foto zu tun hat. Diese Frage mag z.B. im Bezug auf Landschafts- oder Produktfotografie (zum Teil) auch berechtigt sein, wenn wir mal den Betrachter der Bilder aussen vor lassen.

In der Peoplefotografie sieht das hingegeben mal wieder völlig anders aus. Als Fotograf arbeitet man hier schliesslich mit Fleisch und Blut, sprich Menschen, die sich vor die Kamera stellen. Nun ist es die Aufgabe des Fotografen, diese Person (im Folgenden als Model bezeichnet) zu fotografieren. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, die entscheiden, ob am Schluss ein gutes oder langweiliges Bild entsteht. Da wäre z.B. die technische Komponente wie Schärfe, Bildrauschen, etc. oder auch die kreative Komponente, wie Bildschnitt oder Lichtsetzung. Viel wichtiger, und oftmals sträflich vernachlässig, ist aber die menschliche Komponente. Dabei ist es egal, ob man ein Portrait einer Sängerin fotografiert oder ein schickes Fashionbild. Auf beiden Fotos ist ein Model zu sehen und dieses Model transportiert Emotionen, Gefühle und Ausstrahlung vom reinen zweidimensionalen Bild zum dreidimensionalen Betrachter aus Fleisch und Blut.

In den folgenden Zeilen geht es darum, was bei meinen Workshops in den Bereich Fotografen-Coaching fällt. Nämlich die psychologische Komponente der Peoplefotografie. Diese fängt bereits beim ersten Kontakt  mit dem Model direkt vor dem Shooting an (behaltet im Hinterkopf, Model kann in diesem Fall ein Musiker, eine Privatperson, ein Agentur- oder Amateurmodel, etc. sein). Vermeidet es direkt mit dem Shooting loszulegen. Euer Model sollte erst einmal im Studio oder der Location ankommen. Ich setze mich direkt vor jedem Shooting immer mit dem Team & Model zusammen. In der Regel weiss zu diesem Zeitpunkt zwar jeder schon was geplant ist, trotzdem wird das Projekt ein letztes Mal kurz besprochen. Genau hier beginnt auch das Kennenlernen – die Schlüsselkomponente für ein erfolgreiches Shooting. Seid interessiert an eurem Model! Verpackt in Smalltalk kann man ruhig auch etwas persönlichere Fragen stellen (Hobbys, Lieblingsfarbe, etc.). Diese Infos sind für euch als Fotografen Gold wert. Denn ihr könnt sie während des Shootings mit einfliessen lassen um eine entspannte Stimmung am Set zu produzieren.

Falls euer Model professionell durch eine Visagistin gestylt wird, nutzt die Zeit um euer Set bereits vorzubereiten/aufzubauen. Nichts ist mühsamer für ein Model, wie wenn es erst eine Stunde bei der Visa sitzt und anschliessend eine weitere darauf warten muss, bis der Fotograf sein Set aufgebaut hat.

Ist nun alles bereit und ihr könnt loslegen mit dem Shooting, dann schafft zunächst einmal klare Verhältnisse. Bei mir heisst dies, ich erkläre meinem Model kurz wie ich Anweisungen für das Posing angebe und mache 1-2 Bilder für den letzten Lichttest. Diese kann man ruhig auch mal dem Model zeigen, so weiss auch dieses von Anfang an, wie die Bilder mal aussehen werden.

Nun kommen wir zur wichtigsten Stelle dieses Beitrages! Wie führe ich mein Model durch das Shooting? Zunächst einmal ist es verdammt wichtig, dass euer Model locker und entspannt vor der Kamera ist. Ein einfaches Mittel, um dies zu erreichen, ist die Richtungsangaben bei der Modelführung aus Sicht des Models anzugeben. Links heisst dann auch die linke Seite vom Model. Schliesslich muss man sich als Model schon auf genug andere Dinge konzentrieren (Körperspannung/Haltung, Gesichtsausdruck, Emotionen die Transportiert werden sollen, etc). Ein weiterer Punkt heisst Motivation. Die positive Motivation muss unbedingt gegenüber der Kritik überwiegen. Ein motivierter Mitarbeiter arbeitet schliesslich auch effizienter und produktiver als ein deprimierter Mitarbeiter. Ebenfalls ein wichtiger Punkt: bleibt während des kompletten Shootings kompetent und professionell. Macht ihr einen Fehler (vergessen den Auslöser auf die Kamera zu stecken, usw.), dann überspielt diesen so, dass Model und/oder Kunde es nicht mitbekommen. Sollte sich euer Model jemals fragen, ob ihr der Situation überhaupt gewachsen seid, habt ihr nämlich bereits verloren. Jegliche Motivation ist in diesem Moment dahin.

Während des Shootings müsst ihr also einen Mix finden aus klaren und präzisen Posingangaben, Motivation & Kritik und Smalltalk, ohne dabei den Fluss des Shootings zu unterbrechen.

Fassen wir also die wichtigsten Punkte zusammen:

  • Baut eine persönliche Beziehung zu eurem Model auf (dies ist quasi die Basis).
  • Gebt kurze und präzise Posingangaben (Richtungsangaben aus der Sicht des Models).
  • Motiviert euer Model durch Lob. Kritik darf es auch geben, sollte aber nicht überwiegen.
  • Gebt Auskunft was für einen Bildausschnitt ihr gerade fotografiert (z.B. Close-up Portrait oder Oberkörper).
  • Seid immer 100% Herr der Lage (zumindest aus Sicht des Models/Kunden) ;).
  • Smalltalk während des Shoots lockert die Situation auf und kann Teil der Modelführung sein.

Zum Schluss möchte ich noch etwas zum Thema Fluss sagen. Als Fotograf arbeitet ihr mit Licht. Mal ist es Blitzlicht, mal Available. Natürlich wollt ihr immer das alles 100% passt. Dafür richtet man ja auch alles feinsäuberlich ein und fotografiert vor dem Shooting ein paar Testbilder. Ist einmal alles eingerichtet, gibt es keinen Grund wieso ihr nach jedem Foto die Kamera senken müsst, um zu schauen wie das Bild aussieht. Damit zerstört ihr jeglichen Fluss und macht euer Model nur unnötig nervös! Dieses fängt sich dann nämlich an zu fragen, ob es etwas falsch macht. Fotografiert ruhig 10-20 Bilder in Serie und schaut euch diese anschliessend am Display an – ruhig auch zusammen mit dem Model. So könnt ihr direkt etwaige Posingkorrekturen für die nächste Bildserie besprechen.

Ihr seht also, Psychologie und/oder ein gutes Gespür für andere Menschen ist gerade in der Peoplefotografie enorm wichtig. Vor allem deswegen, weil der Kontakt mit eurem Model oftmals nur einmalig und auch eher kurzweilig ist. In dieser kurzen Zeitspanne müsst ihr eine positive Stimmung erzeugen und euch die Sympathie eures Models erarbeiten. Dies hat oftmals vielmehr mit Regie und Empathie für sein Gegenüber zu tun, als mit fotografischem Können. Achtet euch doch mal beim nächsten Shoot, wie ihr mit eurem Model umgeht/sprecht/es motiviert und hinterfragt euch, ob ihr euch selber an der Stelle des Models entspannen und relaxen könntet.

Geld ist nicht immer alles #2…

Heute geht es aber nicht um den Verdienst am Bild, sondern darum, ob man immer die neuste und teuerste Technik braucht, um gute Fotos zu machen. Muss es tatsächlich immer die neuste Kamera, das teuerste Objektiv und der beste Porty sein, um gute Fotos zu machen? Behindert uns manchmal nicht auch die ganze Technik und hält uns vom eigentlichen ab? Vom Fotografieren?? Ich denke, manche lenkt die Technik schon ein wenig ab.

Nehmen wir folgendes Bild…

Aufgenommen mit einfachen Mitteln aber trotzdem ein Bild das wirkt. Aber warum… Darum geht es im heutigen Blog Eintrag.

Dieses Bild ist im Rahmen einer Party entstanden, die ich besuchte. Ohne großen Aufwand, ohne große Technik. Wenn ich Parties besuche, auf denen ich fotografiere, habe ich meistens meinen Rucksack mit Kamera und Objektiven dabei, meinen Aufsteckblitz einen Durchlichtschirm und ein Stativ. Das reicht schon um auch mal tolle Portraits zu schießen ohne direkt ein komplettes Studio aufzubauen.

Als Technik kamen hier meine alte Nikon D100 mit einem Weitwinkel Zoom und mein Blitz, der SB800 zum Einsatz. Der Blitz wurde auf einem Stativ von links eingesetzt und in einen silbernen Reflex Schirm geblitzt.

Ausgelöst wurde das ganze per Funkauslöser (bei mir ein Elinchrome Skyport), wobei man sich auch dort das Geld sparen kann und ein Kabel einsetzen kann. Wichtig ist einfach ein Aufsteckblitz, den man manuell regeln kann und der im optimalen Fall noch eine Synchronbuchse hat. Da tut es jeder alte „billige“ Blitz, den man für wenig Geld auf Ebay ersteigern kann.

Beachten bei einem Bild in dem nur ein Blitz eingesetzt wird, sollte man allerdings wie man das Lichtsetup aufbaut. Ein sehr natürliches Licht kann man oft mit einem Blitz erreichen, wenn dieser richtig positioniert wird. Man muss aber auch mit einigen Nachteilen Leben. Oft fällt das Licht nach unten hin stark ab, was ich immer berücksichtigen sollte. Auch ist bei unserem Bild hier die linke Gesichtshälfte des Models schon fast zu dunkel, was aber der Bildwirkung keinen Abbruch tut. Falls es trotzdem mal zu dunkel werden sollte, kann man ja auch die Schatten mit einem zusätzlichen Reflektor wieder ein wenig aufhellen. Wie man an dem leichten Nasenschatten erkennen kann, wurde der Blitz leicht über dem Model positioniert. Das hat den Vorteil dass das Licht den Körper wunderbar modelliert und der Körper nicht zu platt wird. Je tiefer ich den Blitz einsetze, umso flacher wird auch das Licht. Also sollte man den Kopf des Models immer leicht zum Licht drehen. Je weiter ich den Kopf vom Licht weg bewege, umso dunkler wird das Gesicht werden. Je höher ich das Licht positioniere, umso dunkler werden die Augen werden. Hier ist ein wenig Fingerspitzengefühl nötig und ein wenig Ausprobieren um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Licht und Schatten zu erreichen. Insgesamt aber ein Licht was ich sehr mag, da es natürlich ist, den Körper modelliert und schöne Glanzlichter auf dem Latex hinterlässt.

Das Licht ist in diesem Bild ist aber nicht alles. Diese Aufnahme lebt von den Farbkontrasten, den Linien und Flächen.

Schwarze Fliesen und ein pinkfarbenes Latexkleid…. Das Kleid leuchtet automatisch, hebt sich vor den schwarzen Fliesen ab und bildet einen wunderbaren Kontrast zu dem ansonsten dunklen und monochromen Hintergrund. Die geflieste Wand ist aber auch sehr „kahl“ und nichts lenkt das Auge von dem Model ab. Dieser starke Farbkontrast führt dazu, dass das Auge automatisch an dem Model hängen bleibt.

Beim platzieren des Model nahm ich mir einige virtuelle Linien zur Hilfe. Das Model wurde inmitten vieler Linien und Flächen platziert. Wenn ich mir wie in dem Bild zu sehen Hilfslinien im 45° Winkel aus jeder Ecke einzeichne, sieht man, dass das Model am Linken Schenkel eines Dreieckes steht. Wobei der Kopf des Models ungefähr in der Spitze des Dreieckes liegt (rote Linien).  Es muss also nicht immer der goldene Schnitt sein. Es gibt auch einige andere Gestaltungsmethoden.

Die räumliche Tiefe in dem Bild wird durch die Fliesen verstärkt. Aus jeder Ecke laufen Linien zu dem Model. Egal ob von links, rechts oder vom Boden aus. Die Fugen der Fliesen führen fluchtpunktartig das Auge zu dem Model. Das verleiht dem Bild eine sehr starke räumliche Tiefe (grüne Linien).

Alles einfache Hilfsmittel mit denen ich ein spannendes Bild aufbauen kann, wenn man sich vorher ein paar Gedanken um das fertige Bild macht. Ich versuche oft meinen Bildern Spannung zu verleihen in dem ich mich an Linien und Fluchtpunkten orientiere.

Deswegen ist mein Tipp vor Ort immer mal nach Locations Ausschau halten. Oft braucht es keine großartigen Locations, kein aufwendiges Studio. Eine schöne Wand, eine tolle Raumecke reicht in den meisten Fällen aus um großartige Fotos zu machen. Meine spannendsten und besten Fotos sind mit sehr einfachen Mitteln erstanden, weil ich mich oft auf das wesentliche Konzentriere. Einen tollen Ausdruck des Models, Farbharmonien oder Bildaufbau und Wirkung. Versucht bei Euren Bildern verstärkt Flächen und Linien zu kombinieren. Das ist schon der größte Teil eines wirkungsvollen Fotos. Wenn man jetzt noch gekonnt ein Licht platziert, kann eigentlich schon nichts mehr schief gehen.

Mit diesen kleinen Anregungen wünsche ich Euch viel Spaß. Probiert mehr aus, macht Euch Gedanken um den Bildaufbau und habt Spaß am Experimentieren!

Mallorca, Tag 6 – Dirty Glamour (Teil II)

Mallorca neigt sich dem Ende zu. Wir sind gerade in den letzten Zügen und werden gleich nochmals eine letzte Session fotografieren gehen (so wenn das Wetter mitspielt..). Zunächst möchte ich euch aber noch kurz den versprochenen zweiten Teil zum Dirty Glamour Shoot zeigen. Sara hat ja bereits im ersten Teil das Make up erklärt, daher hier nun das Setup des Shoots.

Inhaltlich hab ich den Shoot in zwei Teile gesplittet. Zunächst haben wir uns (ähm, eigentlich nur die Models) am “Waldboden” gewälzt. Passend zu unserem Dirty Look. ;) Dabei war mir wichtig, dass die Lichtstimmung im Wäldchen gänzlich verloren geht. Immerhin hatten wir noch ein paar Sonnenstrahlen die durch das Geäst den Boden sprenkelten. Das Grundbild habe ich also so eingemessen, dass die Lichtflecken noch relativ hell im Bild erscheinen, das Grundbild trotzdem dunkel genug erscheint um eine Dominanz durch das Blitzlicht zu erreichen.

Damit wir jetzt nicht den ganzen Waldboden ausleuchten (ein wenig geblitzte Vignette ist schliesslich immer nett), brauchte es einen Lichtformer der kreisförmig ausleuchtet. Ich hab mich daher für einen günstigen Reflexschirm entschieden.

Ein Durchmesser von ca. 80cm reicht für die meisten Aufnahmen völlig aus. Da der Waldboden schräg abfiel war es leider nicht möglich unser kleines Boom Stativ aufzustellen. Daher musste kurzerhand Visagistin Mirjam etwas assistieren. Ein kleines Studiostativ diente dabei als Boom-Stick Ersatz um den Quadra Head inkl. Schirm zentral über unsere Models zu bringen.

Fotografiert habe ich mit einer Blende von 4.5 bei Iso200 und einer Verschlusszeit von 1/125s. Da das Sonnenlicht aufgrund der wechselhaften Bewölkung stark schwanke, bot die Verschlusszeit von 1/125s genügend Reserve um auch während des Shoots den Hintergrund schnell mal eine Blende hochzuziehen.

Im zweiten Teil des Shooting wollte ich noch etwas mehr auf die Portraitschiene wechseln und gleichzeitig etwas märchenhaftes in die Bilder bekommen. Daher sind wir mehr ins Grün des Wäldchen gegangen und ich habe Blätter/Äste mit ins Bild eingebunden um die Models etwas “versteckter” ins Bild zu bekommen. Das Setup blieb dabei relativ ähnlich wie im ersten Teil. Wieder kam der Reflexschirm auf einem Ranger Quadra A-Head zum Einsatz. Dieser diente aber nur noch als dezente Aufhellung. Einiges an Lichtstimmung hab ich aus den Sonnenstrahlen die hinter den Models durch das Blätterdach schien, geholt.

Zum Einsatz kam meine liebste Portraitlinse, das EF 85mm f1.8. Fotografiert hab ich mit einer relativ offenen Blende von f3.2 (offener ging leider nicht, da ich sonst ausserhalb der Synchronzeit meiner 5D gewesen wäre). Wichtig war mir ebenfalls, dass das Aufhelllicht sehr zentral gesetzt wurde. So eine hochfrontale Ausleuchtung ergibt einen natürlichen Look und fällt auch nicht so sehr auf. Schliesslich wollte ich das Blitzlicht nicht dominierend im Bild haben.

Jetzt gehts hier bei uns erstmal noch für eine kurze Session ans Meer. Hoffentlich verziehen sich die dunklen Wolken in den nächsten 30min. Ansonsten gibts ne Regen Session. ;) Wird sicher spassig für die Models..

Mallorca, Tag 6 – Dirty Glamour Make-up (Teil I)

Hallo meine Lieben! Hier kommt mein erster Beitrag für unsere Rubrik Make-up & Styling.

Im ersten Teil dieses Blogs erkläre ich euch, wie ihr einen Dirty Glamour Look hinkriegt (natürlich inklusive Making-of Fotos) und im zweiten Teil wird euch Cornelius das Setup des Shootings erklären.

Nun aber zum wesentlichen Teil und worauf ihr alle wartet: wie erzielen wir diesen Dirty Glamour Look?

Wie bei jedem anderen Make-up habe ich damit begonnen die Gesichtshaut vorzubereiten (gründlich abschminken/ Tonic/ Tagescrème). Dann habe ich alle Unreinheiten mit Concealer abgedeckt und sowohl Rötungen, als auch dunkle Schatten unter den Augen neutralisiert.

Anschliessend habe ich mit Flüssig Make-up grundiert um einen möglichst ebenmässigen Teint zu erhalten. Die Augenbrauen sind mit einem dunkelbraunen Brauenstift  nachgezogen worden, den ich etwas dunkler als die natürliche Haarfarbe gewählt habe (wir wollen ja Effekt).

Nun kommt der spannende Teil – die Augen! Ich habe das gesamte Lid bis zum Brauenbogen zuerst mit einem hellen, leicht glänzenden Beige grundiert. Dann kommen die Smokey Eyes in einem kühlen Dunkelbraun.

Meine Smokey Eyes sind bewusst nicht optimal verblendet.  Schliesslich wollte ich einen Dirty Look erzielen (geniesst’s und brecht die Regeln!). Gemittet auf dem beweglichen Lid habe ich zusätzlich ein glänzendes Highlight in einem warmen Braun gesetzt. Dieses Braun wurde auch benutzt, um die Ränder der Smokey Eyes auslaufen zu lassen. Umrandet habe ich das Auge intensiv mit schwarzem Kajal. Das klappt aber auch wunderbar mit Cream Liner und starker Wimpernkranzverdichtung. Und jetzt darf Gold geklebt werden! Glamourous soll’s sein! Gold Glitter bekommt ihr in den meisten Bastellädeli oder Fasnachtslädeli und kleben lässt sich der Glitter problemlos mit Augenbrauengel. Mit dem Pinsel für Flüssigliner lassen sich die kleinen Dinger auch sehr gut genau dort platzieren, wo man sie denn auch möchte. Nun kleben wir noch ausdrucksstarke Wimpern und die Augen wären soweit fertig!

Das Rouge soll nicht allzu sehr auffallen. Ich habe einen rosa/braun Ton gewählt. Die Lippen habe ich mit Concealer abgedeckt und dann nur mit neutralem Lipgloss als schlichte Nude Lips geschminkt.

Was nun noch fehlt, ist der Dirty Look. Glamour haben wir ja schon. Ich habe mich mit ganz dunklem Flüssig Make-up ausgetobt (verschiedene dunkle Lidschatten helfen dabei auch). Zum Schluss kommen noch letzte Details fürs Finish dazu. In meinem Fall sind dies der Wet Look der Haare (mit Wasser, Gel und Spray leicht zu erzielen), die schwarzen Fingernägel und das passende Paillettenkleid.

Dieser Dirty Glamour Look ist schlichtweg wunderbar. Er setzt eurer Kreativität keine Grenzen! Viel Spass dabei! (Ich hatte ihn!)

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