[Setup] Einfaches Beauty Setup

Letztens im Studio wurde ich gefragt, warum ich einen Blitz so nah vor die Wand steht und warum ich mein Lichtsetup so aufbaue, wie es gerade dort stand… Das hab ich mir zum Anlass genommen das dort aufgebaute Lichtsetup etwas ausführlicher zu beschreiben und einige Beispielbilder dazu zu zeigen. Hier erstmal das Ergebnis.

Das fertige Bild dazu ist an dem Workshopwochenende zusammen mit Cornelius Fischer in der Schweiz entstanden. Model war Mel und geschminkt wurde das ganze von Sara Woodtli. Aber das nur am Rande.

Was haben wir hier gemacht…

Nun wir haben eine große Hensel Octabox seitlich neben das Model gestellt. So groß, dass die Seite aber auch noch das Gesicht von vorne schön weich ausgeleuchtet wurde. Damit die andere Gesichtshälfte hierbei nicht zu dunkel wird, haben wir das ganze von der linken Seite mit einem großen Reflektor aufgehellt… Also eigentlich ein ganz einfaches Lichtsetup. Zusätzlich wollen wir noch den Hintergrund vignettieren. Nicht in Photoshop, sondern direkt bei der Aufnahme. Dazu haben wir einen Hensel Blitz auf einem Bodenstativ direkt hinter das Model gestellt und mit einer Wabe versehen, damit der Spot nicht zu groß wird. Durch den Abstand zwischen Blitz und Wand kann ich nun den Spot und die Vignette steuern. Je näher an die Wand, desto kleiner der Spot, je weiter weg desto größer der Spot und umso kleiner die Vignette. Dadurch kann ich die Vignettierung in dem Bild sehr fein steuern.
Zustäzlich kann ich aber auch mit dem Aufheller der auf der linken Seite steht die Ausleuchtung des Gesichts sehr feinfühlig steuern. Wenn ich den Aufheller ganz weglasse, habe ich schöne konturierte Schatten im Gesicht und mit dem Aufheller kann ich diese fast ganz aufhellen. Dadurch ist es mir möglich mit wenig Aufwand die Lichtsetzung im Gesicht sehr zu variieren. Dazu hab ich mal 2 Beispielbilder eingestellt. Einmal mit Aufheller (Rechts) und einmal ohne Aufheller (Links).


Einzigster Haken an diesem Lichtsetup…. ich muss sehr genau darauf achten, wie ich mit der Kamera zu meinem Model stehe. Ich muß genau in einer Achse mit dem Model und meinem Hintergrund Blitz stehen. Kleine Abweichungen dazu bewirken, das der Spot und die Vignette nach Links oder Rechts verschoben wird. Ansonsten habe ich damit ein sehr einfaches aber effektives und schönes Lichtsetup, was ohne großen Aufwand aufgebaut ist.

Zum Schluss nochmal alle Bilder dazu und noch ein weiteres Beispielbild.

In dem Zusammenhang möchte ich auch nochmal an unsere Workshops im Februar erinnern: Klick

[Setup] One-Speedlight Portrait

Es ist mal wieder Zeit für ein weiteres Setup und das Beste daran, es ist absolut simpel! Das Einzige was ihr für dieses Setup benötigt ist ein Aufsteckblitz, Kabel- oder Funkauslöser, ein Stativ und eine kleine Softbox.

Ihr wisst ja mittlerweile das ich ein absoluter Fan von Setups bin, bei denen man einen möglichst kleinen Aufwand in die Technik steckt und dafür mehr Energie und Aufmerksamkeit übrig hat für das Fotografieren und arbeiten mit dem Model. Aber schaut euch erstmal fix das Foto das bei diesem Setup entstanden ist an.

One-Speedlight Portrait

Was ist nun daran so besonders. Grundsätzlich ist eben nichts daran besonders und genau das macht die Stärke von solchen Setups mit nur einem Blitz aus. Man hat viel mehr Aufmerksamkeit für das Model übrig und muss sich nicht auf tausende technische Details kümmern. Trotzdem gibt es in der Vorbereitung ein paar Dinge die man beachten muss. So sollte z.B. der Abstand zwischen Blitz und Model nicht zu kurz sein. Wer meinen Blog regelmässig liest, kann sich sicher an das Thema Lichtabfall erinnern. Verdoppeln wir den Abstand zwischen Blitz und Motiv, verlieren wir 2 Blenden an Lichtleistung. Stünde der Blitz bei so einem Setup zu nah am Model, erhalten wir bereits im Gesicht einen Abfall von schnell einer ganzen Blende. Desweiteren wirkt ein hochfrontales Setup, bei dem der Blitz direkt über der Kamera ist, am harmonischsten. Dabei ist es für den Fotografen aber sehr wichtig darauf zu achten auch wirklich keine 10cm von der Achse abzuweichen, da dann bereits die Schattierung unter der Nase und dem Kinn seitlich wegläuft.

Genug der Worte, hier nun ein Foto vom Setup damit ihr euch ein Bild davon machen könnt, wie das im Studio aussieht.

One Flash Setup

Als Lichtformer habe ich von Lastolite eine 38cm Ezybox verwendet. Diese eignet sich perfekt für eine kontrastreiche Ausleuchtung und ist zudem einer der besten Lichtformer in Kombination mit einem Aufsteckblitz.

Zwei Punkte gibt es noch, die etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen sollten. Dies wäre die Brennweite und die Blende. Um ein harmonisches und spannendes Resultat für solche Portraits zu bekommen ist die Wahl der richtigen Brennweite sehr wichtig. Für Portraits mit engem Schnitt eignet sich eine Brennweite zwischen 85 bis 135mm am besten. Dies unabhängig von der verwendeten Kamera. Verwendet man eine kürzere Brennweite, wirkt das Gesicht des Models schnell mal etwas gewölbt und es entsteht der Eindruck von einer übergrossen Nase. Ist die Brennweite länger, wirken Gesichter schnell etwas flach. Dieser Effekt ist unabhängig davon ob ihr eine Kamera mit Vollformatsensor oder Crop-Sensor verwendet.

Der zweite Punkt den ich noch anmerken möchte ist die verwendete Blende. Beliebte Blendenwerte für Portraitaufnahmen liegen zwischen 3.5 bis 5.6. Natürlich kann man mit einer sehr offenen Blende spielen und den Effekt von einer extrem flachen Schärfeebene nutzen um Gesichter extrem soft wirken zu lassen. Bei sehr hohen Blendenwerten verliert man den optischen Fokus auf Augen und Gesicht schnell, da durch die tiefe Schärfe viele Details hinzukommen, die den Betrachter ablenken.

Nun wünsche ich euch viel Spass beim Ausprobieren und wie immer gutes Licht für eure Fotos!

One-flash Portrait

[Setup] Golden Glamour Beauty

Leider war es mal wieder länger ruhig auf dem Blog (die Zeit rennt).. doch nun möchte ich endlich mal wieder ein neues Setup präsentieren. Passend zum goldenen Herbst.

Golden ist denn auch schon das Sprichwort. An einer der letzten Kreativsessions mit unserem Studioteam, war Gold das Thema für Stylings und Fotos. Unsere Visagistinnen Sara und Mirjam haben sich dabei ordentlich ins Zeugs gelegt und zwei Models wunderschön gestylt und dabei vor allem auf Goldpigmente zurückgegriffen.

Ich selber hab mir eine Weile den Kopf zerbrochen wie ich das Thema Gold, fotografisch mit einbinden soll. Ein goldig warmer Hintergrund, am besten mit Reflexen und Struktur musste her. Dabei nicht zu teuer und einfach im Studio aufzubauen.

Des Rätsels Lösung waren Rettungsdecken, wie man sie aus dem Erste Hilfe Koffer kennt. Eine Seite silbrig und die andere goldig. Also gings ab in Baumarkt und für ein paar wenige Franken mit zwei Rettungsdecken wieder retour ins Studio. Die Montage erwies sich denkbar einfach. Die Decken nach dem Auspacken ordentlich zerknüllen (damit viele Falten und Knitter entstehen) und dann mit Malerklebeband an die Wand kleben.

So damit war der Hintergrund für die Fotos schon mal gesetzt. Jetzt ging es nur noch darum eine passende Beleuchtung zu finden. Final sollten ja glamouröse Beautyportraits den Weg in die Kamera finden. Also habe ich mich für eine sehr weiche Ausleuchtung entschieden, die dennoch eine leichte ganz leichte Dominanz auf der Kameraachse nach Unten erzielt. Dafür habe ich eine 140er Octabox auf einem Galgen, sowie zwei grosse Sunbounce Pro Reflektoren mit silberner Bespannung benutzt. Weiter wollte ich den Hintergrund schimmern lassen, so ähnlich wie eine Wasseroberfläche auf welche die Abendsonne scheint. Also habe ich eine harte Lichtquelle benutzt, direkt auf die zerknitterten Rettungsdecken gerichtet, um diese anzustrahlen. In Kombination mit einer offenen Blende ergab das schon mal ein ansehnliches Ergebnis.

Ganz zufrieden war ich an dieser Stelle jedoch auch noch nicht. Zum einen war mir der Hintergrund noch etwas zu dominant und der letzte Kick Glamour fehlte mir an dem Foto. Um den Bildern noch etwas knackigeres zu geben, kamen noch zwei Streiflichter dazu, welche Gesicht und die Schulterpartien mehr hervorheben.

Den Hintergrund softer und weniger dominant zu gestalten war dann auch kein schwieriges Unterfangen mehr. Etwas dezent eingesetzter Kunstnebel, der gezielt zwischen Model und Hintergrund geblasen wurde, gab dem Hintergrund die gewünschte weiche Note. So sah der Hintergrund wirklich aus wie eine spiegelnde Wasseroberfläche im Sonnenuntergang. Und schlussendlich standen dann doch so einige Stative im Studio..

Fotografiert habe ich am Schluss mit einer 85mm Festbrennweite und einer 4er Blende. Das hat sich als beste Balance zwischen genügend Schärfentiefe auf den Gesichtern und möglichst weichem und blumigen Hintergrund ergeben.

Und hier das finale Foto von der Session.

Blitzbelichtungsmessung – Die Krux mit den 18%

Es ist ein lediges Thema, das jedoch immer wieder auftaucht. Wie messe ich mein Blitzlicht!? Sei es im Studio oder Outdoor..

Jeder der schon mit Blitzen gearbeitet hat, weiss das man mit der Kamera Blitzlicht nicht messen kann. Dies liegt daran, dass ein normaler Blitz in dem Moment auslöst, wenn wir das Foto machen. Ausgenommen natürlich Aufsteckblitze, diese verfügen über einen Vorblitz respektive Messblitz, der im E-TTL Modus verwendet wird um eine Blitzbelichtungsmessung mit der Kamera durchzuführen. Die logische Konsequenz heisst also Blitzbelichtungsmesser. Hiermit löst man die Blitzlichtmessung von der Kamera und misst mittels eines Handgerätes das Blitzlicht (oder auch Tageslicht/Dauerlicht).

„Blitz“-Belichtungsmesser verfügen über eine hohe Präzision und natürlich über diverse Zusatzfunktionen die einem im Fotografenalltag sehr nützlich sein können. So zum Beispiel Dauerlichtmessung, Belichtungskorrekturen, Gangzahl für Video, Farbtemperatur (nur bei teuren Profimodellen). Damit wir jedoch mit einem Handbelichtungsmesser arbeiten können, müssen wir erst mal klären, wie die Belichtung überhaupt gemessen wird.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Messarten zur Belichtungsmessung. Einmal die Objektmessung (diese wird vom kamerainternen Belichtungsmesser verwendet), sowie die Lichtmessung. Fangen wir bei der Objektmessung an.

Objektmessung

Bei der Objektmessung wir vom Kamerastandpunkt aus gemessen, wie viel Licht vom Motiv zur Kamera hin reflektiert wird. Dabei wird davon ausgegangen das ein durchschnittliches Motiv 18% des einfallenden Lichts reflektiert. Möchte ich jetzt aber ein Motiv fotografieren das viel mehr Licht reflektiert, z.B. ein Model vor einer weissen Wand, geht meine (oder auch mein Belichtungsmesser den ich vom Kamerastandpunkt aus Richtung Model halte), immer noch davon aus dass das Motiv 18% des einfallenden Lichtes zurückwirft. Das Ergebnis ist also ein Bild das deutlich unterbelichtet ist.

Als Hilfsmittel für solche Motive wurden deshalb sog. Graukarten entwickelt. Diese sind Farbneutral und reflektieren exakt 18% des einfallenden Lichtes. Halte ich so eine Karte also ins Licht, ziele mit dem Sucher meiner DSLR auf die Karte und mache eine Belichtungsmessung, erhalte ich Belichtungswerte für eine korrekte Belichtung. Das funktioniert aber nur so lange wie man mit Dauerlicht arbeitet. Verwende ich Blitzlicht, kann die kamerainterne Belichtungsmessung auch mittels Graukarte nicht verwendet werden.

Der Vorteil der Objektmessung liegt klar bei der Geschwindigkeit. Man misst vom Kamerastandort ohne sich zum Motiv bewegen zu müssen. Hat jedoch den Nachteil dass man falsche Messergebnisse erhält, wenn ein Motiv nicht die durchschnittlichen 18% Licht reflektiert. Ist die Reflektion höher, ergibt sich eine Unterbelichtung (z.B. weisse Wand), ist die Reflektion niedriger ergibt sich eine Überbelichtung (z.B. schwarze Wand).

 

Lichtmessung

Kommen wir nun zur Lichtmessung. Diese funktioniert fundamental anders. Hier wird nicht das reflektierte Licht gemessen, sondern das Licht das auf unser Motiv einfällt. Man hält also den Belichtungsmesser vom Motiv aus in Richtung Lichtquelle und führt eine Messung durch. Durch diese Änderung im Messaufbau negieren wir den Messfehler, der bei Motiven entsteht die eine andere Reflektion aufweisen als die geeichten 18%. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit verschiedene Bereiche des Motivs auszumessen um so bereits vor dem ersten Foto eine Idee zu bekommen, wie dunkel z.B. die Schattenwürfe sind.

Die Vorteil bei der Lichtmessung sind also:

  • Keine Messfehler durch unterschiedlich starke Lichtreflektion des Motivs
  • Präzisere Messergebnisse da man Messungen an verschiedenen Punkten des Motivs machen kann

Einziger Nachteil der Lichtmessung, man muss mit dem Belichtungsmesser zum Motiv gehen um die Messung direkt am Motiv durchzuführen. Dies benötigt schlicht mehr Zeit als eine vereinfachte Objektmessung.  In der Praxis heisst das also, wollt ihr saubere Messergebnisse für eurer Blitzlicht, nehmt einen Handbelichtungsmesser und führt eine Lichtmessung am Motiv durch.

Abschliessend möchte ich euch noch kurz einen einfachen Blitzbelichtungsmesser zeigen und kurz auf die Funktionen zu sprechen kommen.

Um die Handhabung von Belichtungsmessern zu vereinfachen, zeigen diese die Messwerte jeweils anhand einer Blendenreihe mit ganzen Blendenwerten an. Zwischenwerte werden mittels Zehntelstufen (kleinere Zahl nach der Blende im Display) angezeigt. Dies heisst ein Messresultat von f8.06 entspricht einem Blendenwert von ca. f10, innerhalb einer Drittelblendenskala. Dreizehntel entsprechen also in etwa einer Drittelblende.

Um dies nochmals zu verdeutlichen schaut euch diese Blendenskala an. In Grün die ganzen Blendenwerte und in rot die Drittelstufen dazwischen.

Zum Schluss nun aber noch das Wichtigste bei der Belichtungsmessung. Ein Handbelichtungsmesser gibt euch NUR die jeweils korrekte Belichtung für euer Motiv aus. Als Fotograf möchte man aber oft garnicht korrekt belichten. Also denkt daran, es ist ein Hilfsmittel um Belichtungswerte zu finden die korrekt sind, nicht aber eurem kreativem Spielraum als Fotograf entsprechen!

 

“One flash” Beauty Licht

Liebe Blogleser, nun ist es ja schon eine Weile her seitdem hier ein aktueller Beitrag gepostet wurde. Wer jetzt denkt, hinter den Kulissen sei es ruhig geworden hat sich aber getäuscht. Vielmehr hatten wir/ich in den letzten Wochen derart viel um die Ohren, dass wir/ich schlicht nicht dazu gekommen sind uns um neue Beiträge zu kümmern. Mehr dazu aber in den nächsten Tagen. Denn heute möchte ich euch ein weiteres Setup zeigen und erklären.

Auch wenn das Wetter gerade sehr schön draussen ist, so ist es doch noch etwas zu kalt für Outdoor Shootings. Daher gibt es jetzt wieder etwas fürs Studio. Folgendes Foto habe ich an einem meiner letzten Workshops fotografiert.

Ein sehr weiches und dennoch leicht zeichnendes Beauty Licht wurde für das Bild verwendet. Wie man an den Reflexen in den Augen gut erkennen kann, habe ich einen Blitz sowie einen Reflektor als Aufhellung verwendet. Alles in allem ein recht simples Lichtsetup, bei dem man dennoch einiges beachten muss.

Um die Zeichnung ins Bild zu bekommen, sollte man eine möglichst direkte und „harte“ Ausleuchtung verwenden. Ich habe als Hauptlicht ein 44er Softlight  in silber (Beauty Dish) von Elinchrom verwendet. Als Aufhellung kam ein silberner Reflektor zum Einsatz. Und hier gibt es nun einiges zu beachten. Ein silberner Reflektor hat eine sehr hohe Reflektionsleistung, im Gegensatz zu einem weissen (z.B. Styropor). Der Vorteil ist also, dass man den Schattenwurf des Hauptlichtes relativ stark aufhellen kann. Allerdings ist das reflektierte Licht durch die silberne Beschichtung auch sehr direkt und hart. Daher gilt, je grösser die Reflektionsfläche, desto weicher und dezenter wird die Aufhellung. Hier gilt also das gleiche Gesetz, dass die Härte von Blitzlicht bestimmt.

Je grösser die Lichtquelle im Verhältnis zum Motiv, umso weicher wird das Licht.

Das heisst also, das eine 100x100cm Box aus 1m Abstand sehr weiches Licht ergibt. Aus 10m Abstand ergibt die gleiche Box jedoch sehr hartes Licht, da die relative  Grösse zum Motiv nun deutlich geringer ist.

Was heisst das nun für unsere Aufhellung. Benutzen wir einen silbernen Reflektor (hart und direkt) und wollen eine weiche Aufhellung damit erzeugen, dann muss dieser im Verhältnis zum Motiv (Gesicht) also sehr gross sein. Damit ich nun nicht einfach jegliche Schatten weg reflektiert bekomme, muss der Reflektor etwas weiter weg vom Gesicht aufgestellt werden. Somit führt kein Weg an einer sehr grossen Reflektionsfläche vorbei. Im obigen Fall kam demnach ein Sunbounce Pro (130x190cm) zum Einsatz. Dieser war auf einem Stativ montiert und auf Bauchhöhe unter das Gesicht geschoben.

Kommen wir nun noch zum zweiten wichtigen Punkt bei diesem Foto. Und zwar der Hintergrund. Da bereits im Voraus entschieden wurde das Bild als s/w Version zu bearbeiten wollte ich direkt einen grauen Hintergrund erzeugen. Am einfachsten geht dies, gerade bei 1-Blitz Setups, mittels „Ausgrauen“ der weissen Wand hinter meinem Model.

Schauen wir uns mal die Regel zum Lichtabfall an.  Nehme wir an ein Blitz leuchtet auf 1m Abstand eine Fläche von 1x1m aus. Verdoppeln wir nun den Abstand auf 2m, nimmt die ausgeleuchtete Fläche im Quadrat zu. Von 1x1m als auf 2x2m. Somit reduziert sich die Lichtmenge/1m um den Faktor 4 (!!). Was heisst das nun für uns in der Praxis. Verdoppeln wir den Abstand Blitz/Motiv, reduzieren wir die Lichtmenge um 2 Blenden (!!). In unserem Beispiel oben machen wir uns genau dieser Regel zu Nutze. Zwischen Blitz und Motiv besteht ein Abstand von ca. 1.5m. Zwischen Blitz und Hintergrund jedoch ca. 4 Meter. Also etwas mehr als das doppelte. Das heisst also, der Helligkeitsunterschied zwischen Model und Hintergrund beträgt etwas mehr als 2 Blenden. Somit wird aus einer weissen Wand, schlicht eine graue Wand. Um das nochmals etwas zu verdeutlichen, hier nun noch die Lichtskizze zu dem Setup:

Fassen wir also nochmals zusammen:

  • Harte Grundausleuchtung (z.B. Beauty Dish oder Standartreflektor)
  • Aufhellung mittels eines grossen & silbernen Reflektors
  • Hintergrundhelligkeit lässt sich mittels Abstandverhätlnis Blitz/Motiv/Hintergrund steuern

Ihr seht, auch bei einem auf den ersten Blitz relativ simplen Setup, gibt es einiges zu beachten! Wie heisst es so schön, der Teufel liegt im Detail. In diesem Sinne, viel Spass beim Ausprobieren und allzeit gut Licht!

Geld ist nicht immer alles #2…

Heute geht es aber nicht um den Verdienst am Bild, sondern darum, ob man immer die neuste und teuerste Technik braucht, um gute Fotos zu machen. Muss es tatsächlich immer die neuste Kamera, das teuerste Objektiv und der beste Porty sein, um gute Fotos zu machen? Behindert uns manchmal nicht auch die ganze Technik und hält uns vom eigentlichen ab? Vom Fotografieren?? Ich denke, manche lenkt die Technik schon ein wenig ab.

Nehmen wir folgendes Bild…

Aufgenommen mit einfachen Mitteln aber trotzdem ein Bild das wirkt. Aber warum… Darum geht es im heutigen Blog Eintrag.

Dieses Bild ist im Rahmen einer Party entstanden, die ich besuchte. Ohne großen Aufwand, ohne große Technik. Wenn ich Parties besuche, auf denen ich fotografiere, habe ich meistens meinen Rucksack mit Kamera und Objektiven dabei, meinen Aufsteckblitz einen Durchlichtschirm und ein Stativ. Das reicht schon um auch mal tolle Portraits zu schießen ohne direkt ein komplettes Studio aufzubauen.

Als Technik kamen hier meine alte Nikon D100 mit einem Weitwinkel Zoom und mein Blitz, der SB800 zum Einsatz. Der Blitz wurde auf einem Stativ von links eingesetzt und in einen silbernen Reflex Schirm geblitzt.

Ausgelöst wurde das ganze per Funkauslöser (bei mir ein Elinchrome Skyport), wobei man sich auch dort das Geld sparen kann und ein Kabel einsetzen kann. Wichtig ist einfach ein Aufsteckblitz, den man manuell regeln kann und der im optimalen Fall noch eine Synchronbuchse hat. Da tut es jeder alte „billige“ Blitz, den man für wenig Geld auf Ebay ersteigern kann.

Beachten bei einem Bild in dem nur ein Blitz eingesetzt wird, sollte man allerdings wie man das Lichtsetup aufbaut. Ein sehr natürliches Licht kann man oft mit einem Blitz erreichen, wenn dieser richtig positioniert wird. Man muss aber auch mit einigen Nachteilen Leben. Oft fällt das Licht nach unten hin stark ab, was ich immer berücksichtigen sollte. Auch ist bei unserem Bild hier die linke Gesichtshälfte des Models schon fast zu dunkel, was aber der Bildwirkung keinen Abbruch tut. Falls es trotzdem mal zu dunkel werden sollte, kann man ja auch die Schatten mit einem zusätzlichen Reflektor wieder ein wenig aufhellen. Wie man an dem leichten Nasenschatten erkennen kann, wurde der Blitz leicht über dem Model positioniert. Das hat den Vorteil dass das Licht den Körper wunderbar modelliert und der Körper nicht zu platt wird. Je tiefer ich den Blitz einsetze, umso flacher wird auch das Licht. Also sollte man den Kopf des Models immer leicht zum Licht drehen. Je weiter ich den Kopf vom Licht weg bewege, umso dunkler wird das Gesicht werden. Je höher ich das Licht positioniere, umso dunkler werden die Augen werden. Hier ist ein wenig Fingerspitzengefühl nötig und ein wenig Ausprobieren um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Licht und Schatten zu erreichen. Insgesamt aber ein Licht was ich sehr mag, da es natürlich ist, den Körper modelliert und schöne Glanzlichter auf dem Latex hinterlässt.

Das Licht ist in diesem Bild ist aber nicht alles. Diese Aufnahme lebt von den Farbkontrasten, den Linien und Flächen.

Schwarze Fliesen und ein pinkfarbenes Latexkleid…. Das Kleid leuchtet automatisch, hebt sich vor den schwarzen Fliesen ab und bildet einen wunderbaren Kontrast zu dem ansonsten dunklen und monochromen Hintergrund. Die geflieste Wand ist aber auch sehr „kahl“ und nichts lenkt das Auge von dem Model ab. Dieser starke Farbkontrast führt dazu, dass das Auge automatisch an dem Model hängen bleibt.

Beim platzieren des Model nahm ich mir einige virtuelle Linien zur Hilfe. Das Model wurde inmitten vieler Linien und Flächen platziert. Wenn ich mir wie in dem Bild zu sehen Hilfslinien im 45° Winkel aus jeder Ecke einzeichne, sieht man, dass das Model am Linken Schenkel eines Dreieckes steht. Wobei der Kopf des Models ungefähr in der Spitze des Dreieckes liegt (rote Linien).  Es muss also nicht immer der goldene Schnitt sein. Es gibt auch einige andere Gestaltungsmethoden.

Die räumliche Tiefe in dem Bild wird durch die Fliesen verstärkt. Aus jeder Ecke laufen Linien zu dem Model. Egal ob von links, rechts oder vom Boden aus. Die Fugen der Fliesen führen fluchtpunktartig das Auge zu dem Model. Das verleiht dem Bild eine sehr starke räumliche Tiefe (grüne Linien).

Alles einfache Hilfsmittel mit denen ich ein spannendes Bild aufbauen kann, wenn man sich vorher ein paar Gedanken um das fertige Bild macht. Ich versuche oft meinen Bildern Spannung zu verleihen in dem ich mich an Linien und Fluchtpunkten orientiere.

Deswegen ist mein Tipp vor Ort immer mal nach Locations Ausschau halten. Oft braucht es keine großartigen Locations, kein aufwendiges Studio. Eine schöne Wand, eine tolle Raumecke reicht in den meisten Fällen aus um großartige Fotos zu machen. Meine spannendsten und besten Fotos sind mit sehr einfachen Mitteln erstanden, weil ich mich oft auf das wesentliche Konzentriere. Einen tollen Ausdruck des Models, Farbharmonien oder Bildaufbau und Wirkung. Versucht bei Euren Bildern verstärkt Flächen und Linien zu kombinieren. Das ist schon der größte Teil eines wirkungsvollen Fotos. Wenn man jetzt noch gekonnt ein Licht platziert, kann eigentlich schon nichts mehr schief gehen.

Mit diesen kleinen Anregungen wünsche ich Euch viel Spaß. Probiert mehr aus, macht Euch Gedanken um den Bildaufbau und habt Spaß am Experimentieren!

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