People Fotografie – Outdoor & on Location
Der Frühling ist da. Die Temperaturen steigen, die Natur erstrahlt in saftigem Grün und als Fotograf zieht es einen wieder aus dem Studio. Draussen fotografiert es sich doch immer noch am besten. Sicher?
Wer viel im Studio fotografiert, geniesst dort auch die vollen Vorzüge Herr des Lichtes zu sein. Es gibt keine störenden Faktoren wie Tageslicht, Wolken die Lichtverhältnisse innert kürzester Zeit ändern und es gibt nur schönes Wetter. ;) Outdoor geniesst man zwar die Qual der Wahl von der Location, muss aber auch das bereits vorhandene Licht einkalkulieren. Sonnenlicht ist brutal hart und direkt und nur selten wirklich schön. Im Schatten kämpft man damit, dass der Hintergrund im Sonnenlicht entweder zu hell wird, oder das Model zu dunkel. Ohne Hilfsmittel gehts Outdoor also auch nicht immer. Dabei gibts diverse Möglichkeiten wie man als Fotograf auch on Location das vorhandene Licht manipulieren oder ergänzen kann. Mittels Reflektoren kann vorhandenes Licht genutzt werden um punktuell aufzuhellen oder zweckentfremdet kann man sie auch zum abschatten benutzen. Ebenfalls eine Möglichkeit ist Blitzlicht. Mittels Aufsteckblitzen oder einer mobilen Studioanlage kann man aufhellen oder sogar das vorhandene Tageslicht “überblitzen” und so eine ganz eigene Lichtstimmung erzeugen.
Eins haben jedoch alle Methoden gemeinsam, Ziel ist es immer eine ausgewogene Lichtstimmung zu erzeugen. An dieser Stelle möchte ich gerne drei Beispiele geben wie dies Outdoor gelingt.
Aufhellen mittels Blitzlicht – der Klassiker
Ein Problem an sonnigen Tagen ist der enorme Kontrastumfang zwischen direktem Sonnenlicht und Schatten. Ein einfacher Weg mehr Kontrolle über das Licht zu erhalten, ist das Model im Schatten eines Baumes oder eines Gebäudes zu fotografieren. Ist dabei jedoch der Hintergrund im Sonnenlicht entsteht das Problem das man entweder das Model korrekt belichtet oder den Hintergrund.
Im linken Beispiel seht ihr, was passiert wenn man die Belichtung so wählt, dass der Hintergrund nicht völlig überbelichtet rauskommt. Auf dem rechten Bild habe ich mittels eines Blitzes das im Schatten sitzende Model aufgehellt. Der Clou daran ist, die richtige Balance zwischen Hintergrund und Blitzlicht zu finden. Gerade wenn ihr unter einem Baum arbeitet, habt ihr oft ein schönes Lichtspiel von Sonnenstrahlen die es durch das Blätterwerk schaffen. Dieses gilt es ebenfalls nicht völlig zu überblitzen. Im rechten Bild könnt ihr diese kleinen Sonnen”spots” immer noch schön erkennen.
Im obigen Beispiel habe ich einen Aufsteckblitz mit einer Lasolite Ezybox (38x38cm) verwendet. Diese stand links von mir auf einem Stativ. Der Blitz wurde mittels Pocket Wizard Triggern ausgelöst. Vorteil der PW’s ist die volle E-TTL Unterstützung von Canon Kameras. Ich musste den Blitz also nicht einmessen, sondern konnte einfach drauf los fotografieren. Die E-TTL Blitzautomatik hat die korrekte Blitzlichtmenge zum Aufhellen des Models für mich ermittelt. Alternativ zu den teuren PW’s kann man auch einfach ein billiges E-TTL Kabel verwenden, auf die optischen Übertragung der Kamerahersteller zurückgreifen (im Schatten funktionieren diese recht gut) oder klassisch voll manuell arbeiten.
Vorhandenes Licht überblitzen
Je nach Wahl der Location kann man mit dem mitgebrachten Blitzlicht auch das vorhandene Tageslicht überblitzen und so eine neue Lichtstimmung erzeugen. Dies eignet sich vorallem dann, wenn die Location komplett im Schatten liegt. Im Beispiel hier, habe ich einen Treppenaufgang gewählt der von einem Gebäude völlig überdacht wurde.
Ohne das Blitzlicht hätte eine relativ langweilige Stimmung geherrscht. Alles wäre gleich hell gewesen.. Durch das Blitzlicht ist nun eine Art “Spot” auf dem Model entstanden und hat dieses schön vom Hintergrund abgesetzt. Die Wahl der Location fiel dabei nicht völlig ungeplant. Das violette Kleid harmoniert farblich sehr gut mit dem gräulich/bläulichen Steinhintergrund. Um die Hintergrundstimmung noch weiter bläulich erscheinen zu lassen, habe ich das Blitzlicht mittels einer 1/4 CTO (color temperature orange) Folie eingefärbt. Den Weissabgleich hab ich anschliessend auf das nun deutlich wärmere Blitzlicht gesetzt. Dadurch verschiebt sich das Tageslicht im Hintergrund ins bläuliche.
Zum Einsatz kam ebenfalls wieder ein Canon Speedlight sowie die Lasolite Ezybox.
Richtige Location – Available ohne alles
Nicht immer ist es jedoch nötig, das man als Fotograf auf Hilfsmittel zurückgreift. Mit dem richtigen Blick finden sich auch Locations die ohne jegliches zutun bereits schönes Licht aufweisen. Im unteren Beispiel habe ich mir die vorhandene Lichtreflektion zunutze gemacht. Als Hintergrund diente ein Metallaufbau der das Model gegenüber der Sonne komplett abgeschattet hat. Direkt gegenüber befand sich ein zweiter Aufbau, der das Sonnenlicht wunderschöne reflektiert hat.
In diesem Beispiel musste ich nur den richtigen Standpunkt finden, von dem aus die streifenförmige Reflexion des Sonnenlichtes auf/neben dem Model erschien. Ihr seht, manchmal braucht es keine Hilfsmittel sondern nur ein gutes Auge für das bereits vorhandene Licht.
Um es nochmals auf den Punkt zu bringen. Das wichtiges bei Outdoor Fotos ist immer die Harmonie aus vorhandenem Licht und dem was man als Fotograf ergänzend hinzugibt. Sei es durch Blitzlicht, durch Aufhellen mittels Reflektoren oder wie im letzten Beispiel oben, durch eine bereits vorhandene Reflexion! Vergesst auch niemals, ein Reflektor ist niemals heller als das Licht was er reflektiert. ;)
Wer sich nun bis hier durchgearbeitet hat, den möchte ich gerne auf meinen nächsten Workshop aufmerksam machen. Am 16. Mai veranstalte ich auf dem Gelände der ETH Zürich (Hönggerberg) einen Workshop zur Thematik der Outdoor Fotografie. Wir werden uns ausführlich damit beschäftigen wie man vorhandenes Licht manipuliert oder mittels Blitzlicht ergänzt um gut ausgeleuchtete Bilder zu erhalten. Auch die Wahl der richtigen Location wird ein Thema sein, denn nicht jeder Hintergrund passt zu jedem Outfit. Aktuell sind noch 4 Plätze frei, die Anmeldefrist läuft noch bis zum 9. Mai. Infos gibts oben im “Workshop” Menu.










