[Dr. Blitz erklärt] GntM Gepäckband Blitzsetup

Sie laufen wieder (zumindest mehr oder weniger), die Germanys Next Topmodel’s von Model Mami Heidi Klum und ich oute mich hiermit als fleissiger Zuschauer. Wenn es auch beizeiten durchaus sehr schwer fällt zwischen all der Werbung und der Selbstinszenierung von Heidi. Allerdings hat die Show auch einen schönen Nebeneffekt. Man kann bei den Fotoshootings immer ein wenig erkennen was die jeweiligen Fotografen für Sets benutzen um die Models und die Szenerie auszuleuchten. Inspiriert durch die Idee/Wunsch meines Arbeitskollegen Martin (liebe Grüsse an dieser Stelle), möchte ich die aktuelle Staffel nutzen um euch das eine oder andere Setup so gut es geht kurz zu skizzieren und erklären. Den Anfang mach ich auch gleich mit dem heutigen Shooting auf dem Gepäckband vom Münchner Flughafen. Wie man sehen konnte, ne ziemlich wackelige Angelegenheit für die Mädels. ;)

Und am besten zum Einstieg gleich mal ein Foto (geliehen von der ProSieben Website). Fotograf war Mayk Azzato, Fashion und Celebrity Fotograf aus Frankfurt.

Während des Shootings mit den Mädels konnte man zwischendurch immer wieder kurze Einblicke in sein Setup erhaschen. Daher fällt es auch etwas einfacher genau zu erklären was er gemacht hat. Führungslicht war in diesem Fall eine grosse Octa Softbox ohne Frontdifusor (mehr dazu gleich). Schätzungsweise 150cm im Durchmesser. Dazu hat er für den Hintergrund mindestens drei Effektleuchten mit Waben benutzt. Fotografiert hat Mayk übrigens mit einer Nikon und wahrscheinlich einem 24-70mm f2.8. Das Setup sah in etwa wie folgt aus, und hiermit kommt nun auch meine erste Handskizze (freut euch schon auf mehr davon..):

Führungslicht

Wie ich gerade geschrieben habe, hat Mayk für die Fotos eine ca. 150cm grosse Octabox verwendet ohne Frontdifusor. Durch das Weglassen des Frontdifusors erreicht man ein etwas härteres Licht. Die Grösse der Box war insofern wichtig, um die Mädels möglichst flächig auszuleuchten. Hätte er z.B. ein Beautydish verwendet, wäre durch die deutlich kleinere Fläche ein deutlicher Lichtabfall zu den Füssen hin entstanden. Das Führungslicht stand seitlich in einem 90° zum Gepäckband und war gleichzeitig auch die gewünschte Blickrichtung für die Models.

Sunbounce Reflektor

Diente wohl zum dezentnen Aufhellen der Schatten auf der Blitz abgeneigten Seite. Fragt mich aber bitte nicht, wieso er eine goldene Bespannung benutzt hat. Gerade wegen der eher blassen/kalten Bearbeitung der Bilder hätte ich wohl direkt nen silbernen Sunbouncer aufgestellt.

Effektlichter 1,2 & 3

Ob es nun 3 oder sogar mehr sind konnte ich nicht erkennen. Vom obigen Foto her waren es aber definitiv mindestens 3 Effektlichter. Alle mit Standartreflektoren und teilweise noch mit Waben ausgerüstet. Nummer 1 erzeugt den Lichtkegel rechts hinten, Nummer 2 die Ecke hinter dem linken Fuss und Nummer 3 ging an die Decke links oben.

So das wäre mal das Blitzsetup gewesen. Allerdings gab es noch einen weiteren spannenden Punkt den man während des Shootings mitbekommen hat. Und zwar die aufgeklebten Referenzpunkte für die Mädels. Einmal einen an der Kante des Laufbandes als Orientierung auf welcher Höhe sie stehen (laufen) müssen um im Lichtkegel der Octabox zu bleiben. Einen zweiten am Rand der Octabox um die Blickrichtung anzuzeigen. Solche Referenzpunkte benutzt ich auch hin und wieder im Studio. Sie sind extrem hilfreich bei ungeübten Modellen die noch nicht wissen (können) wie sich Licht/Schatten ausgehend von den Lichtquellen verhält.

So ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in das heutige GntM Shooting geben und freue mich auf nächste Woche, wenn es wieder heisst, Dr. Blitz erklärt. ;)


Hier noch eine kleine Ergänzung. Unter folgendem Link könnt ihr euch nochmals das Shooting anschauen:

http://www.prosieben.ch/tv/germanys-next-topmodel/videos/laufband-shooting-1.1497850/

Ich hab mir das ganze nun nochmals in Ruhe angeschaut und noch ein viertes Effektlicht mit Abschirmklappen drauf, auf Höhe der Lampe 3 in der obigen Skizze entdeckt. Ausserdem kann man am Ende von dem Video einen kurzen Blick auf den iMac am Set erhaschen und sieht dort ein Out-of-Cam Bild. Dieses zeigt deutlich das die Effektlichter sehr kalt/blaustichig sind. Da wurde also definitiv noch mit Farbfolien gearbeitet.

Ihr seht, mit einem wachsamen Auge, kann man so ein Setup zu 80-90% aus so kurzen Sequenzen und dem finalem Foto herauslesen.

[Blitzsetup] Muscle Light

Als Fotograf widmet man sich ja in der Regel am liebsten weiblichen Modellen. Trotzdem gilt es hin und wieder auch mal ein männliches Modell ins rechte Licht zu rücken. Besonders interessant sind dabei Bilder, bei denen man den männlichen Körper, respektive die Muskeln herausarbeitet. Wie ihr in folgendem Beispiel sehen könnt.

Ein wichtige Vorraussetzung für das verwendete Licht in diesem Fall, ist eine gewisse Härte, ohne die man nicht in der Lage ist die Konturen und Muskeln rauszuarbeiten. Ich habe für für diese Serie mal wieder meinen derzeitigen lieblings Lichtformer benutzt. Das 44er Softlight (Beautydish) von Elinchrom. Zusätzlich war ein silberner Deflektor eingeschoben, um das Licht ganz leicht weicher zu machen. Ein Deflektor reflektiert dabei das direkte Licht zurück in den Teller des Beautydishes und reduziert damit den harten inneren Schatten. Wobei wir hier auch schon die Kerncharakteristik eines guten Beautydishes haben.

Durch die besondere Form (gewölbter tiefer Teller) erzeugt ein Beautydish zum einen einen harten Kernschatten, mit dem man sehr gut Muskeln, Gesichtszüge etc. modellieren kann. Zusätzlich wirft das Dish aber auch einen weicheren äusseren Schatten, der im Gesamteindruck das Licht “relativ” weich erscheinen lässt. Und genau aus diesem Grund sind Beautydishes auch so beliebt in der Beauty- und Fashionfotografie.

Jetzt aber mal zum eigentlichen Setup.

Das Beautydish war auf einem Manfrotto Boom montiert und mit einem Abstand von etwa einem Meter zentral zum Model aufgestellt. Der Winkel betrug dabei ca. 45°. Und das ist auch schon alles was wir an Führungslicht für diesem Setup benötigen. Um dem ganzen noch etwas mehr Pep zu verleihen und eine schönere Abgrenzung zwischen Model und Hintergrund zu erreichen, hab ich noch einen zweiten Blitz mit einer kleinen Softbox benutzt um einen Verlauf auf den Hintergrund zu bekommen. Dieser war mit f11 auf die linke untere Ecke eingemessen.

Bildbearbeitung war nicht gross nötig. Schwarz/Weiss Konvertierung, Hintergrund etwas weichzeichen, Kontrast mit einer Gradationskurve anpassen und fertig war die Serie.

Wimpern kleben

Fast bei jedem Shooting werde ich beim Wimpern kleben gefragt, ob das schwer ist und was man beachten muss. Genau so oft höre ich, dass das Model/die Kundin Mühe hat, die Wimpern anzubringen, ohne dass sie sich gleich wieder löst. Mit ein wenig tricksen ist Wimpern kleben keine Hexerei.


Am Besten fangen wir gleich beim Wichtigsten an: Der Kleber.
Je nach dem wo man die Wimpern kauft, ist ein Kleber in der Packung mit dabei. Meistens in einem kleinen Glasfläschen, oder in einer kleinen Tube. Das Problem bei diesen Klebern ist oft, dass ein viel zu starkes Lösemittel drin ist wie zum Beispiel Ethanol. Das Gelingen vom Kleben ist mit diesem Inhaltsstoff sowieso zum Scheitern verurteilt. Durch die Dämpfe fängt das Auge an zu tränen, der Kleber wird durch die Tränen aufgeweicht und die Wimper löst sich sofort wieder. Und die Schminke verläuft leider auch. Das ist dann ganz ärgerlich.

Mein Tipp: weisser Wimpernkleber. Ich benutze den von Kryolan. Es dauert zwar etwas länger bis er trocknet, das Resultat ist aber super. Er wird durchsichtig sobald er getrocknet ist und halten tut er auch.

Und hier ein Tipp zum weissen Kleber: Wie man auf dem Bild sieht, drück ich mir immer soviel Kleber wie ich brauche auf den Handrücken (kann man natürlich auch woanders hin machen) und lasse ihn auf meiner Hand antrocknen. Nach ca. 30 Sekunden gebe ich ihn dann auf die Wimper.

Nun zur Wimper selber. Nicht jedes Auge ist gleich. Die Wimpern halten besser, wenn sie an den Wimpernkranz angepasst werden. Das ist ganz einfach. Die Wimpern haben von Haus aus immer eine Leimschicht dran. Aus der Packung nehmen, einmal ans obere Lid randrücken und schauen obs passt. Ist die Wimper zu lang, kann man mit einer Schere vom “inneren” Teil (der Teil der näher an der Nase ist) ein Stückchen wegschneiden.
Bei “Billigwimpern” kommt es vor, dass das Bändchen zu hart ist und der Schwung fehlt. Hier kann man die Wimper etwas vorbiegen. Das funktioniert wie mit einem Geschenksband. Ich machs immer mit einem Fingernagel.

Beim Anbringen sollte man nicht zu zögerlich rangehen. Das Auge ist ja nicht aus Glas – naja selten – darum darf man auch etwas mit Druck arbeiten. Sobald die Wimper dran ist, drück ich sie mit den Fingern an beiden Augenwinkeln an. Wichtig ist, dass die Wimper ganz dicht am Wimpernkranz und nicht oberhalb angebracht wird.

Und nun viel Spass beim nächsten Versuch :-)