Fortschritt durch Rückschritt, oder wieso Aperture Bilder nicht in der Mediathek verwalten sollte..

Vor gut drei Wochen hat Apple endlich das lang ersehnte Update auf Aperture 3 veröffentlicht. Viele neue Funktionen und vorallem Tools zur Bildbearbeitung sind hinzugekommen. Ich selber arbeite seit fast vier Jahren mit Aperture (ab Version 1). Eins der Hauptargumente zum Kauf der Version 1 war damals, dass Aperture Bilder in einer internen Mediathek verwaltet, wie z.B. auch iTunes Musikfiles in einem eigenen Ordnersystem ablegt. Vorteil der Mediathek ist, dass man kein Ordnersystem erstellen muss, die Aperture interne Backup Funktion nutzen kann und sich so voll auf das arbeiten mit den Bildern konzentrieren kann.

Über die Jahre ist mein Bildbestand immer mehr angewachsen auf nunmehr über 600GB (oder über 40’000 Bilder). Dabei wächst der Bestand von Jahr zu Jahr schneller. Früher oder später muss also ein grosses RAID Speichersystem her um die Datenmengen sicher speichern und archivieren zu können. Da ich diese Anschaffung für dieses Jahr plane, musste ich auch mein Archivierungskonzept überdenken.

Prinzipiell ist es der Weg des geringsten Widerstandes, wenn man Aperture die komplette Verwaltung der Bildbestände übergibt. Jedoch birgt das auch einen gravierenden Nachteil. Man weiss nämlich nie, wielange eine Software existiert, respektive, vielleicht möchte man auch einmal wechseln oder mit mehreren RAW Konvertern arbeiten. Gerade wenn die Arbeit professioneller wird. Daher führt eigentlich über kurz oder lang kein Weg an einer per Hand angelegten Ordnerstruktur vorbei. Aperture unterstützt schliesslich auch das Arbeiten mit referenzierten Bildern. Also Bildbeständen die ausserhalb der Mediathek gespeichert sind.

Wie man nun so eine Ordnerstruktur am besten anlegt, muss jeder für sich entscheiden. Meine Struktur sieht wie folgt aus:

  • Jahr
    • Kategorie (Aufträge, Konzerte, People ..)
      • Subkategorien (z.B. bei Konzerten -> Club, Festival ..)
        • Projekte (also die eigentlichen Shootings)

Mit so einer Struktur ist man in der Lage, den Bildbestand mit einem Programm wie Aperture oder Lightroom zu verwalten, oder auch andere Bildbrowser/RAW Konverter zu benutzen. Wichtig dabei ist, dass man jegliche Metadaten direkt in die original Files schreibt, damit diese auch in den verschiedenen Programmen sichtbar sind.

Wer nun wie ich, eine von Aperture verwaltete Mediathek aufgebaut hat braucht jetzt keine Panik zu bekommen. Das Auslagern der Dateien ist zwar Zeitaufwendig, jedoch möglich ohne die bereits vorhanden RAW Einstellungen, Bewertungen etc. zu verlieren. Das Vorgehen hierzu ist wie folgt:

  1. Ein oder mehrere Projekte auswählen
  2. Menu Ablage -> Neuer Speicherort für Original
  3. Im Kontextmenu den Ordner auswählen und los gehts

Wer in Aperture bereits eine gute Projekthierarchie erstellt hat mit Ordner/Subordnern/Projekten, kann auch direkt den Hauptordner auswählen und so die Bilder Massenweise auslagern. Das Kontextmenu bietet einem die Möglichkeit die Unterordner für Projekte automatisch erstellen zu lassen. Hierbei kann man in der Dropdownliste aus verschiedenen, automatisch generierten Ordnernamen wählen. Ich habe mich gestern dafür entschieden, die Subordner für Projekte mit dem in Aperture eingetragenen Projektnamen zu versehen. Damit hab ich in der eigenen Ordnerstruktur die gleiche Ordnung wie auch in Aperture.

So nach all dem Text, hier das Fazit. Auch wenn es auf den ersten Blick sehr verlockend ist, einer Software wie Aperture die komplette Verwaltung von Bildbeständen in eine interne Mediathek zu übergeben, spätestens wenn die Bildbestände sehr gross werden und man mit unterschiedlicher Software darauf zugreifen möchte, muss man zwangsläufig auf eine händische Ordnerstruktur ausweichen. Dies mag zwar in gewisser Weise ein Rückschritt sein, um jedoch professionell mit den Bilddaten arbeiten zu können, ist es definitiv ein Fortschritt.

Noch ne kleine Ergänzung.

Diese Art zu arbeiten bietet noch einen gewaltigen Vorteil. Man kann das Library File (ohne die Bilddaten und somit verschwindend klein) entweder auf einem Laptop oder einer externen Platte ablegen (somit immer dabei), kann on-Location bereits per tethered neue Bilder importieren, ohne das man später ein Projektfile von einer Lib zur anderen übergeben muss. Zuhause weist man den Bildern einfach einen neuen Speicherort (im Hauptarchiv) zu und spart sich damit viel Arbeit/Zeit. Wenn man mobil Daten aus dem Archiv nutzen möchte, kopiert man diese temporär einfach auf eine mobile Platte und kann diese so wieder vom festen Arbeitsplatz z.B. zu einem Kunden mitnehmen (ohne das man mit mehreren Aperture Lib’s arbeiten muss!)

[Blitzsetup] Weniger ist mehr mit einer Octabox

Zugegeben, es ist schon verlockend wenn einem 5 Blitzköpfe zur Verfügung stehen, diese auch für ein Setup aufzubauen. Doch wie in so manchen Dingen im Leben, ist es eben auch in der Fotografie so, dass oftmals weniger am Schluss eben doch mehr ist. So auch bei dem Setup das ich euch heute zeigen möchte.

Schauen wir uns die obigen Bilder einmal genauer an:

  • Unser Model steht direkt vor einer Wand
  • Es ist nur ein ganz feiner Schlagschatten direkt hinter dem Model zu sehen
  • Feiner Schatten unterhalb des Kinns (zweites Bild)
  • Gute Zeichnung (Lichter/Tiefen) auf dem Kleid

Wir haben also eine homogene Ausleuchtung, sehr weiches Licht mit einer Dominanz von oben. Dies sprich für eine grosse Softbox. Der direkt hinter dem Model liegende Schlagschatten verrät zudem, dass Blitz und Model auf einer Achse positioniert waren. Und damit hätten wir das Setup im Prinzip auch schon. Zum Einsatz kam eine 140cm Ocatagon Box. Dabei stand ich während des Shoots direkt vor der Box (der Rücken klebte dabei quasi am Aussendiffuser). Einfacher gehts definitiv nicht mehr..

Bevor sich jetzt jemand fragt, wie denn das gehen kann, Fotograf direkt vor der Box. Die Softbox sollte bei diesem Setup stets erhöht positioniert sein. So das man als Fotograf mit dem Kopf maximal bis zur Mitte der Box kommt. Somit deckt man auch nicht mehr als 1/8-2/8 der Leuchtfläche ab, was zu keiner starken Abschattung führt, trotzdem aber die Dominanz von Oberhalb erzeugt (rote Pfeile in der Skizze!). Der Abstand zwischen Model und Softbox betrug bei den hier gezeigten Fotos jeweils ca. 3m.

Das schöne an dem Setup ist, man bekommt ein weiches und natürliches Licht, welches neben Hauptlicht, gleichzeitig auch sein eigenes Fülllicht erzeugt und somit Schatten reduziert. So einfach wie dieses Setup auch ist, einen Punkt muss man unbedingt beachten. Verändere ich als Fotograf vor der Box meine Position (z.B. von stehend in die Hocke), dann muss die Softbox ebenfalls in der Höhe mitverstellt werden, da man sonst die Gewichtung stark beeinflussen würde.

Trotz der Einfachheit dieses Setups, bleiben noch diverse Möglichkeiten zum Feintuning. Um die Härte des Lichts zu beeinflussen kann man mit dem Abstand Blitz/Model variieren. Ist mehr Charakter im Licht gewünscht, löst man einfach den Frontdiffuser von der Softbox und lässt nur den Innendiffuser drin. Ihr seht, so banal dieses Setup ist, es bietet verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten und erzeugt dabei stets einen natürlichen und frischen Look. Ein wunderbares Licht für Fashion-, wie auch Beautyshots.

Rückblick – Portrait & Fashion Workshop, Januar 2010

Ohne grosse Worte, ein simpler Rückblick mit Video und Bild. Leider bin ich selber diesmal nicht gross dazu gekommen auch ein paar Bilder mit unserem Model NiLi zu machen. Daher gibts neben den ganzen Making of Eindrücken nur ein einziges finales Bild. Danke nochmals an alle Teilnehmer, an unser grossartiges Model und Pascal fürs fleissige Filmen und Fotografieren hinter den Kulissen.

Es hat wie immer Spass gemacht! Die nächsten Termine sind bereits in Planung und werden bald in der Workshop Sektion hier auf dem Blog bekannt gegeben.

So und hier noch ein finales Bild vom Offenblenden-Setup:

[Photoshop] Cross Processing

In den letzten Tagen wurde ich mehrfach darauf angesprochen wie ich das unten stehende Bild bearbeitet habe, respektive was es eigentlich mit dem sogennanten Cross Processing auf sich hat. Daher möchte ich heute einmal etwas Licht ins Dunkel bringen und euch mit diesem Beitrag erklären was und vorallem wie man ein Cross Processing erzeugt.

Die Crossentwicklung stammt noch aus den Zeiten der analogen Fotografie. Als man noch regulär mit Negativfilm und Diapositivfilm fotografiert hat, mussten diese Filme im Labor entwickelt werden. Dabei unterscheiden sich Negativ- und Positivfilme in einem wesentlichem Punkt. Wie der Name schon sagt, zeigt ein Negativfilm nach seiner Entwicklung das Bild mit umgekehrten (negativen) Tonwerten, wohingegen ein Positivfilm nach der Entwicklung das Bild direkt in korrekten Farben wiedergibt. Dabei ist es eben auch möglich einen (Dia)positivfilm negativ zu entwickeln, dabei werden jedoch die Farben und der Kontrast stark beeinflusst. Also Resultat erhält man ein Bild mit kräftigen Farben und hohem Kontrast, welches einen hohen Anteil an Gelb- und Blautönen enthält. Und genau dieser Look kann auch mittels Photoshop erzeugt werden!

Um zu verstehen wie wir in Photoshop den Look eines gecrossten Fotos erzeugen können, müssten wir uns erst einmal kurz anschauen wie ein RGB Bild aufgebaut ist. Jedes farbige Foto im RGB Farbmodus enthält drei Farbkanäle. Einen für rote Tonwerte, einen für grüne und einen dritten für die Blauen Tonwerte. Diese Kanäle sind im Prinzip simple graustufen Bilder, welche erst additiv verrechnet, das farbige Foto geben.

Mit diesem Wissen können wir nur die einzelnen Farbkanäle gezielt manipulieren um den für Crossentwickelte Bilder typischen Farbeffekt zu erzeugen. Wie ich bereits gesagt habe, typische für gecrosste Bilder ist der hohe Anteil an Gelbtönen in den Lichtern und Blautönen in den Tiefen, sowie der hohe Bildkontrast. Wir müssen also gezielt die Lichter und Tiefen so bearbeiten, dass wir die beschriebene Farbverschiebung erhalten. Am einfachsten erreichen wir das mit einer Gradationskurve. Diese vereint Farbmanipulation und Erhöhung des Bildkontrastes in einem.

Der Trick ist im Grunde genommen einfach, wir ziehen uns für den roten und grünen Farbkanal, je eine S-Kurve und für den blauen Kanal eine umgekehrte (negative) S-Kurve. Das ganze sieht dann wie folgt aus:

Was ist nun der Effekt davon? Betrachten wir uns das Resultat nun aus der Sicht der additiven Farbsynthese. In den Lichtern erhöhen wir den Anteil an rot und grün bei gleichzeitiger Reduktion des Blauanteils. Daraus ergibt sie eine Farbverschiebung ins gelbliches. In den Tiefen machen wir nun genau das Umgekehrte, was uns die Farbverschiebung ins bläuliche erzeugt. Gleichzeitig erhöhen wir durch die einzelnen Kurven den Bildkontrast in den jeweiligen Farbkanälen, was sie Farbsättigung zusätzlich erhöht.

Je nach dem wie ausgeprägt man nun Kontrast und Farbverschiebung wünscht, kann man die Kurven steiler oder weniger Steil anlegen. Hier gilt, ausprobieren und schauen welche Einstellung für das jeweilige Bild am besten passt. Prinzipiell kann man jedes Bild mit einer Crossentwicklung aufpeppen. Mir persönlich gefällt dieser Farbstil vorallem bei Studioaufnahmen mit schlichtem Lichtaufbau und grauem Hintergrund, da sich das Grau ebenfalls farblich verschiebt und sehr harmonisch ins Bild einfügt.

Wer noch weitere Fragen zu dem Thema hat, kann diese gerne via der Kommentarfunktion stellen. :)